Matthäus 13, 44
Thema:

Der Schatz im Acker
(Exerzitienpredigt)

Bibeltext:  Matthäus 13, 44:
Jesus erzählt folgendes Gleichnis:
"Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand - und verbarg ihn - und ging voller Freude hin und verkaufte, was er besaß
und kaufte jenen Acker."

Meditative Besinnung:
Ich schaue auf die Bilder des Gleichnisses und stelle mir so lebendig als möglich vor, was uns in diesem Gleichnis so anschaulich vor Augen gestellt wird:
Wir schließen eine kurze Zeit unsere Augen und versuchen, so lebendig als möglich vor uns zu sehen:
Und wir versuchen, uns einzufühlen:
Was mag wohl in ihm vorgegangen sein, Gleichnisse wollen übertragen werden, sie beleuchten mein Leben, - aber sie beleuchten auch das Leben Jesu, der diese Gleichnisse aus seiner eigenen Gotteserfahrung her gestalten konnte:
Ich schaue auf Jesus:
Betend frage ich Dich, Herr: Wo magst Du selbst diesen Schatz entdeckt haben?
Ich schaue auf mich, auf mein Leben:
Wohl kaum jemand wird  diese Zeilen lesen, der nicht bereits irgendwo verborgen im Acker seines Lebens auf etwas gestoßen ist, was wie solch ein verborgener Schatz sein könnte.

Niemand nimmt sich die Zeit, einmal für einige Tage ganz in die Stille zu gehen, in dem nicht eine Hoffnung ist, dort vielleicht etwas zu finden, nach dem er sich schon lange heimlich sehnt. Das Gleichnis spricht davon, daß dieser Schatz  in der Erde des Ackers verborgen ist - nicht irgendwo auf einer fernen Insel, sondern mitten in meinem Alltagsleben kann ich auf etwas stoßen, das die Ahnung von einem verborgenen Schatz in mir aufsteigen läßt...

(eine Ordensschwester berichtet, daß sie in einer Fernsehsendung das Interview mit einem jungen Strafgefangenen gesehen habe, das sie zutiefst erschütterte. Sie schrieb ihm in einem Brief: "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß Sie so schlecht sind, wie Sie sich selbst dargestellt haben!" Der junge Mann antwortete: "Sie sind der erste Mensch in meinem Leben, der an mich glaubt". Die Beziehung entwickelte sich zu einer Nähe, die zur Freundschaft wurde."
Ich schaue auf meine Sehnsucht nach Freude:
Viele Christen in der evangelischen wie in der katholischen Kirche sind aufgewachsen mit einer falschen Opferideologie, die sich oft ganz tief festgesetzt hat. Sie lautet etwa:"wenn du Christ sein willst, dann darfst du nicht..." oder: "man soll als Christ immer den schwereren Weg gehen" oder: "Gott will, daß wir Opfer bringen"... und ähnliches.

Wenn wir uns unserem Gleichnis aussetzen, dan wird da etwas gerade gerückt, was - jedenfalls von diesem Gleichnis her - oft auf den Kopf gestellt ist: Der Mann findet zuerst den Schatz - und dann geht er hin "voll Freude". Und diese Freude ermöglicht es ihm, alles zu verkaufen, was ihm ermöglicht, diesen Schatz im Acker zu erwerben.

Und jetzt fantasiere ich die Bilder des Gleichnisses noch ein wenig weiter: Mag er dann bei Ausgraben vielleicht auf einen großen Stein gestoßen sein, der ihm das Weitergraben erschwerte? Vielleicht hat es ihm Mühe gemacht, diesen Stein wegzuheben - aber wird nicht auch darüber seine Freude geleuchtet haben? Hören wir genau hin auf diese Worte "voll Freude"!

Ich sehe meine Entscheidungen unter einem neuen Aspekt:
In stillen Tagen, wenn wir einmal Zeit für uns selbst haben, steigen immer wieder Fragen in uns auf, ob wir nicht das eine oder das andere in unserem Leben ändern sollten.

Für Entscheidungen auf unserem geistlichen Weg, wo wir wünschen, im Einklang mit dem Willen Gottes als Christen eine solche zu fällen, ist es wichtig, auf unsere innere Befindlichkeit zu achten. Denn jede Entscheidung beinhaltet ja immer, daß ich auf etwas anderes verzichten, etwas anderes loslassen muß. Das kann schmerzhaft sein. Doch sollten wir gerade von diesem Gleichnis Jesu her wissen:

Unsere geistlichen Väter sprachen dabei von der "Unterscheiung der Geister".Sie ist für jeden wichtig, der versucht, einen inneren, einen spirituellen Weg für sich zu finden. Und die Väter  wußten auch darum, wie wichtig ein Gespräch mit einem erfahrenen "Meister" sein kann - ebenso wichtig wie das Bitten um den Heiligen Geist, der uns von innen her führen und leiten will.

Nachbemerkung: Bitte lassen Sie beim Lesen des Gleichnisses einmal alle rechtlichen Bedenken beiseite  - das war damals anders als heute.

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