Jesaja 55, V. 10 - 12a und Matthäus 13, V. 3 - 8
Thema:

Wort Gottes
Bibeltext:
Altes Testament Jes. 55, 10-11:
55: 10 Gleichwie Regen und Schnee vom Himmel fallen und dorthin nicht zurückkehren, ohne die Erde zu tränken, zu befruchten und sie sprossen zu lassen, so dass sie Samen den Säenden und Brot den Essenden gibt,
55:11 so verhält es sich mit meinem Wort, das aus meinem Mund hervorgeht: Es kommt nicht leer zu mir zurück, ohne vollbracht zu haben, was ich wollte, und ausgeführt zu haben, wozu ich es sandte.
Neues Testament Matthäus 13, 3 - 8
13:3 Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.
 13:4 Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.
 13:5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
 13:6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
 13:7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
 13:8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.


Gebet zu Beginn: Herr, öffne mir die Herzenstür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu dir...
Dein Wort bewegt des Herzens Grund,
dein Wort macht Leib und Seel' gesund. Amen (EG 197,1a;2a)
Um den Segen Deines Wortes bitten wir Dich durch Christus, unseren Herren. Amen.

Es geht heute um das Wort Gottes. Lasset uns zu Beginn eine kurze Zeit in die Stille gehen - und uns vor Gott besinnen, ob wir es vielleicht schon einmal erlebt haben, dass uns ein Wort Gottes berührt hat, persönlich getroffen hat...und dann lasst uns dafür danken...

Als Predigttext ist uns ein alttestamentliches Wort des Propheten Jesaja gegeben - ein Wort, das mich seit vielen Jahren schon begleitet hat - aus dem Propheten Jesaja (s.o.)

Was das Land fruchtbar macht ist das Wasser!
Ein Korn in der Wüste kann jahrzehntelang trocken liegen - wenn es regnet geschieht es: - Die "Wüste blüht"

Meditative Besinnung:
Wir können uns vorstellen - wie einen Film im Zeitraffertempo:
Der Same ist da - alle Nährstoffe sind da - Nur das Wasser ist nötig.
 
  • Da sind die Wurzeln...
  • Da sind Keime, die zum Licht drängen.
  • Da sind Blüten...
  • Da wächst die Frucht - in der kurzen Zeit, in der die Wüste Wasser bekommt. Denn das ist das Wichtigste: dass neuer Samen entsteht!

  • Wasser und Schnee sind in der Form verschieden, in der Wirkung gleich: Wasser macht Erdreich weich, es lockert die Verkrustungen auf...

    Dieses Gleichnis braucht der Prophet für das Wort Gottes, das wie ein Same in uns hineinfällt:

    Gott schenkt uns sein Wort als guten Samen
    Wo geschieht dies?
    Es kann uns an ganz verschiedenen Orten treffen:
  • Vielleicht schon früher einmal im Unterricht...
  • vielleicht im Gottesdienst...
  • vielleicht durch das Wort eines anderen Menschen ...
  • vielleicht beim Beten...
  • vielleicht, als wir einmal zur Stille kamen - freiwillig oder erzwungen...
  • oder...(wir überlegen, was uns selbst dazu noch einfällt...)
  • Gott schenkt auch das Wasser,
    - das den Boden fruchtbar macht...
    - das unsere Verkrustungen aufbricht...

    Ich bekam vor kurzem einen Brief, in dem stand:
    "... und dennoch war ich ständig auf der Suche nach dem Geheimnis, was in mir ist und was mich umgibt. Die Liebe, Freude, das Glück, irgendwo muss der Ursprung liegen...Ich habe gespürt, in mir selbst steckt etwas, was stärker ist, als das, was man ergreifen kann, etwas ganz Wunderbares..." Und so fand sie zur Gemeinde, zum Wort der Bibel und zum Gebet. Der Brief endet: Dieses Erleben "zeigt mir, dass wir, wenn wir nur wollen oder "JA" sagen, bereits das Himmelreich auf Erden haben können."

    Was kann unsere Verkrustungen aufbrechen? Es kann eine tiefe Sehnsucht sein, wie sie aus diesem Brief spricht, - aber mancher erlebt auch gerade in einem tiefen Schmerz eine neue Wachheit, eine neue Aufnahmefähigkeit für die Botschaft Gottes. Es kann sowohl eine tiefe Liebe, eine unstillbare Sehnsucht sein - als auch eine erzwungene Stille, etwa durch ein Krankenlager.
    Immer ist es die entscheidende Frage, wie wir damit umgehen.

    Gott  gibt uns "Samen zum Säen":
    Diesen Samen braucht unsere Welt nur allzu nötig!

    Es gibt eine bekannte Geschichte: In einem Kaufladen verlangt ein Käufer:
    - Frieden,
    - Gerechtigkeit,
    - kein Leiden der Unschuldigen mehr usw.
    da unterbricht ihn die Verkäuferin: "Sie täuschen sich - wir verkaufen nur den Samen, nicht die fertigen Früchte"

    Der Same geht nur auf im guten Erdreich eines menschlichen Herzens - deines und meines Herzens. Aber er trägt Frucht, die wir neu säen dürfen, ein jeder an seiner Stelle...

    Gott erwartet von uns die Pflege des Samens.
    Seine Verheißung ist groß: Er will uns "Brot geben zum Essen" - als Nahrung, die wirklich satt macht.
    Wie bestimmt ist oft unser Leben von dem Rennen nach dem Vielen, was nicht sättigt! In Vers 2 diese Kapitels steht: "Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?"
    Dass wir "immer mehr" suchen, je mehr wir haben ist ein Beweis für dieses Wort!

    Was können wir dazu tun?
    "Der Same braucht einen guten Gärtner" sagt Meister Eckehart.

    Eine alte christliche Sitte ist das Wiederholungsgebet:
    Ein kurzes Wort,was mit aus dem Bibeltext heraus entgegenkommt,  kann ich an den Atem binden - und mit jedem Atemzug wiederholen - 5-10 Minuten lang.

    Meditative Besinnung auf das Gleichnis Jesu vom 4-fachen Ackerfeld:
    Vermutlich hat Jesus mit seinem Gleichnis  das Jesaja-Wort ausgelegt:
    Wir haben das Evangelium gehört - das Gleichnis Jesu von dem verschiedenen Boden, auf den das Korn fallen kann:
  • Da sind Samenkörner, die auf den Weg fallen

  • Wie schnell vergessen wir das gehörte oder gelesene Wort? ...
    Erst dann, wenn ich ein Wort oft wiederhole, damit es in mich tief einsinken kann, können die Vögel es nicht einfach wegpicken....
     
  • Da sind Samenkörner, die auf den Felsen fallen

  • Ist es Anfechtung, ist es unsere Müdigkeit? Erst wenn wir das Wort tief in uns einsinken lassen, werden wir auch den Wert dieses Wortes wahrnehmen...
     
  • Da sind Samenkörner, die unter die Dornen fallen

  • Geben wir dem Wort in uns genügend Frei - Raum, dass es wachsen kann - sich nähren aus den Kräften meines eigenen Lebens?
     
  • Und da sind Samenkörner, die auf das gute Land fallen

  • Lassen wir das Wort sich entfalten, sich nähren, wachsen - in unserem Umfeld, in unserem eigenen Lebensraum. Wir werden immer neu die Beschenkten sein.

    Abschließendes Gebet:
    Es nimmt Bilder (Metaphern) auf, die von Christen gefunden wurden auf die Frage hin, was das Wort der Bibel für sie bedeutet. Die Bilder wurden ganz spontan gefunden - ich möchte Ihnen einige weiterschenken - spüren Sie dabei dem nach, was in einem Menschen vorgegangen sein mag, der sagen kann:

    Herr, dein Wort ist für mich wie...

  • ein Anker...
  • ein persönlicher Brief eines lieben Menschen...
  • ein tiefer Brunnen...
  • ein Fenster mit dunklen Scheiben...
  • eine Frucht, die im Boden reift und zur Sonne wächst...
  • ein Lautsprecher, der die verborgene Melodie meines Herzens mit ihren Harmonien und Dissonanzen hörbar macht...
  • ein Sturm und zugleich wie ein milder Sommerwind...
  • Herr, wir danken Dir für Dein Wort.
    Lass es in uns Frucht tragen und zum Samen werden, aus dem das Heil unserer Welt wächst - gerade dort, wo die Not besonders tief und groß ist.

    Liturgische Einbindung:
    Katholische Predigtreihe: Jahreskreis A - 15. Sonntag im Jahreskreis (V.10-11)
     oder: Jahreskreis B - Taufe des Herrn
    Evangelische Predigtreihe V: Sonntag Sexagesimae

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