Helmut Mogk 
Im Gottesringe 
Gedichte eines jungen Mystikers

Gesamtinhalt:
Im Gottesringe - Der Schweifende
Im Gottesringe - Der Schaffende
Im Gottesringe - Der Liebende
Im Gottesringe - Der Schauende
Im Gottesringe - Der Geborgene

Der Geborgene
Inhalt - Der Geborgene:

Lange schwiegst du, heiliges Wesen mir,
Die Sonne ist ins Meer versunken,
Was erst Not erscheint im wilden Rufe,
Das wurde meiner Schöpfung Seligkeit,
Großer, herrlicher Gott, leise kamst du zu mir,
Es strömt die tiefste Einigkeit aus meinem Wesen
Ein Heimatloser irrt´ ich durch das Land,
Ein müder Tag des Weges langsam schreitet,
Als ich noch mein Ziel nicht kannte,
Es glühen Busch und Bäume
Es liegt das Meer im Mittagsglast,
Wenn letzte Sommergäste heim sich fanden
Es stirbt der Herbst im Farbenschein,
Die toten Tage hüllten mich
Ich wandte aus dem Lärm mich in die Stille,
Redet mir nimmer vom Tod!
Es klopft der Tod an meine Tür.
Lichtwolken ziehen heimatwärts


Lange schwiegst du, heiliges Wesen mir,
Da ich die Tage in Hast und Unruh´ vertat
Und in Trauer glaubte zu sein.
Lange suchte ich Dich,
Brannte nach Deinem Lied,
Aber Du stießest zurück mich
In das Dunkel und Düster der leeren Nacht.
Heute erschienst Du mir, Ewiger!
Stumm wird mein Mund,
Schweigen möchte´ ich in Dir.
Aber die Seele ringt und ruft,
Dass sie in Worten von Deiner Schönheit sage
Und ihre selige Fülle verschenke,
Ob sie gleich weiß, dass es unmöglich ist,
Mehr als den fernsten Schein
Deiner unendlichen Herrlichkeit zu verkünden,
Du, immer Liebender!
Heißer, quellender Dank
Rauscht durch mein ganzes Fühlen
Und der glühende Wunsch,
Immer Dein Mund zu sein
Und der Born Deiner schenkenden Liebe.


Die Sonne ist ins Meer versunken,
Es hüllt den Himmel helle Glut.
Noch einmal hab ich heiß getrunken
Die Wonnen ihrer Strahlenflut.

Mich fasst ein abgrundtiefes Sehnen,
Ein wildes Schmerzen brandet hoch.
Der Glanz verglüht. Es rinnen Tränen.
Ein müder Wandrer heimwärts zog.


Was erst Not erscheint im wilden Rufe,
Leuchtet später auf im Sonnenschein,
Dient im Leid dem göttlichen Behufe,
Bis es Ruhe findet in dem Sein.


Das wurde meiner Schöpfung Seligkeit,
Dass ich im Lichte wandle alle Zeit,
Und wenn mich rings umhüllen Dunkelheiten,
Schwebt meine Seele über allem Leid.

Auf stillem Berge trink ich Höhenluft
Und kühle meine Sehnsucht in den Fernen,
Doch freudig steig ich nieder aus den Sternen,
Wenn mich zu Gottes Dienst die Liebe ruft.


Großer, herrlicher Gott, leise kamst du zu mir,
Gabst mir Wonne und Glück, bis alles Leid mir starb.
Nur das endlose Klingen rauscht.
Selig berg ich mich in den Tiefen.


Es strömt die tiefste Einigkeit aus meinem Wesen
Seit mich zur Mitternacht der Gott beschlief
Und mich, der von der langen Krankheit kaum genesen,
In Donnersturm und Toben zu sich rief.
Ich bin geborgen in den weiten Wellenkreisen,
Von denen jeder zu der Mitte fließt,
Und die, zurückgeworfen, in die Ferne weisen,
Wo sich im letzten Kreis das Ganze schließt.


Ein Heimatloser irrt´ ich durch das Land,
Gar oft starb meine Freude in der Klage,
Unnennbar war die Qual von Nacht und Tage,
Bis ich die Ruhe in dem Einen fand.

In nackter Schönheit hat sich Gott enthüllt,
Nun füllt mein Leben nur ein heißes Danken,
Ein seliges Sich - zu - dem - Einen Ranken,
Bis sich am Ziele einst mein Bild erfüllt.


Ein müder Tag des Weges langsam schreitet,
Das Sonnenlicht in Wetterwolken stirbt,
Eh´ es den Liebesarm zur Erde breitet
Und mit der Freude alles Sein umwirbt.

Mich quält nicht mehr der Schatten grauer Wolken,
Wenn nur geängstigt Licht den Tag erhellt.
Da Gott mich rief, muss ich ihm fraglos folgen
Im tiefsten Glauben an den Sinn der Welt.


Als ich noch mein Ziel nicht kannte,
Irrend in das Leere brannte,
Fand ich Nöte allerorten
In Gebärde, Bild und Worten,
Weil ich keinen Sinn erschaute,
Der die Welt aus Welten baute;
Bis aus meinen Wundenmalen
Lichtwärts wuchsen Schmerz und Qualen
Und die jugendlichen Leiden
Mich zum Gottesdienste weihten.
Jetzt umfängt mich nie mehr Klagen,
Weil mich Gott zum Licht getragen.


Es glühen Busch und Bäume
Im herbstlichen Sonnenbrand,
So glühen meine Träume
Im seligen Sonnenland.

Ich trinke mit durstigem Munde
Den Trank der bunten Glut,
Und langsam rinnt Stunde um Stunde
In die ewige Flut.

Die Menschen klagen Lieder
Vom Sterben, von herbstlichem Leid - - -
Um mich sinkt leise nieder
Der Klang der Ewigkeit.


Es liegt das Meer im Mittagsglast,
Die Wolken leise zieh´n,
Die Schiffe fahren sonder Hast
In weiten Fernen hin.

Die Stille singt ihr innig Lied,
Das wieder mich durchrinnt,
Ein frohes Hoffen mich umzieht,
Obgleich der Herbst beginnt.


Wenn letzte Sommergäste heim sich fanden
Und Gras und Busch in frühem Froste starrt,
Der Kranz verwelkt, den wir im Blühen wanden,
Erlausche still des Lebens Gegenwart.

Wenn auch das Laub erstarb und kalte Schauer jagen
Hin über winterlich vereistes Land,
So traure nicht in hoffnungsarmem Zagen,
Da dich zu zwingen droht das harte Band

Versteh´ das Bild: Du reißt den Stern nicht nieder,
Der trotz´gen Wandels seine Straße zieht,
Stets lichten Blickes kehrt zur Gottheit wieder,
Vom „Stirb und Werde“ singt das alte Lied.


Es stirbt der Herbst im Farbenschein,
Es sinkt das letzte Blatt im Hain,
Die Freuden gehen schlafen.
Es ruht das Meer nach langem Sturm,
Im Abend blinkt das Licht vom Turm
Und schweigend harrt der Hafen.

Die letzte Blüte welket hin.
Der Winter kündet den Beginn
In neuer Not und Drohen.
Du schaust auf deines Sommers Grab,
Der dich mit heller Glut umgab
Und in dir schuf das Lohen.

Worüber klagst du, banges Herz?
Warum birgst du dein Licht voll Schmerz?
Glaubst du, dies sei das Ende?
Noch jedes Jahr ging ein zur Nacht,
Doch immer neu ist´s aufgewacht
An jeden Winters Wende.


Die toten Tage hüllten mich
Mit grauer, düst´rer Gegenwart.
Die Freude in die Erde schlich,
Wo sie in Eisesfrost erstarrt!

Da hört´ ich unterm Blütenbaum
Der Kinderglocken Zauberklang,
Ich fasste all die Fülle kaumj,
Die aus den Liedern in mich drang.

Nun strahlt in meiner Mannheit Ring
Das Bildnis, das mir lange schwieg,
Seit ich in Wagnis von ihm ging,
Und folgt´ mir leis in Kampf und Stieg.


Ich wandte aus dem Lärm mich in die Stille,
Weil ich des fluchgeword´nen Lebens müde war
Und wartete, bis ich der Unruh´ bar,
Und in mir starb der laute Ton der Schrille.
Da fand ich mich aus aller Wesen Fülle
Und schaute mich in meines Daseins Urgestalt.
Ich löste mich vom Zwange und Gewalt
Und leise stieg mein Mensch aus Schal´ und Hülle.


Redet mir nimmer vom Tod!
Alles vollzieht sich im Ring,
Ende und Anfang sind eins.
Sterben verhüllt nur Geburt,
Qual nur Erlösung und Glück.

Wandernd durchkreist du das All,
Fügst zu dem Steine den Stein,
Bis sich das Bild dir enthüllt
Und die Vollendung dir naht.


Es klopft der Tod an meine Tür.
 „Aus deiner Festung tritt herfür!
Schwach bist du, wie die andern!
Was hilft dir nun dein Glaubenssang?
Wenn ich erscheine, wirst du bang,
Und mutlos ist dein Wandern.“

Da lach´ ich ihm ins Angesicht:
„Ich fürchte deine Nähe nicht,
Sie lässt mich nicht erbeben.
Störst du auch allen Leib zugrund,
Nie machst du stumm des Siegers Mund,
Denn Er empfing das Leben!“

Da ward er wild und schrie mir zu:
„Dein heißes Herz bring ich zur Ruh´,
Es wird dann nie mehr schlagen!
Ich bin der Stärkste in der Welt,
Durch meinen Willen alles fällt,
Ich morde Mut und Wagen!“

„Hier steh´ ich frei, jetzt töte mich!
Stirbt auch mein erdgebundnes Ich,
Das Leben kann nie sterben!
Es strahlt in immer neuem Glanz
Und lacht ob deinem Narrentanz
Wirft deine Last zu Scherben!“


Lichtwolken ziehen heimatwärts
Dem stillen Abend zu.
Wann kommst du, sehnsuchtskrankes Herz
Im Gottesreich zur Ruh´?

Nun wandre ich, von Heimweh müd´,
Dahin durch Tag und Nacht,
Bis einst der Seele gläubig Lied
Mich ganz zu Gott gebracht.



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