Helmut Mogk 
Im Gottesringe 
Gedichte eines jungen Mystikers

Gesamtinhalt:
Im Gottesringe - Der Schweifende
Im Gottesringe - Der Schaffende
Im Gottesringe - Der Liebende
Im Gottesringe - Der Schauende
Im Gottesringe - Der Geborgene

Der Schaffende
Inhalt: Der Schaffende
Der Dichter stand an seines Todes Pforte
Der Weg ist weit, das Ziel ist fern
In Glut gegossen und zu Stahl erstarrt
Folg nur dem Geist, der deinen Sinn dir schenkt
Was suchst du weiter noch in fremden Leben
Lass dich nicht durch der andern Leben kümmern
Im Klang und Bild enthüllt sich euer Wesen
Nur verwandtes Wesen kann dich fassen
Willst du einst schreiten durch der Sieger Tor
Es wohnt in mir ein hohes Bild
Wenn die andern ihre Taten pflegen
Aus neuen Gluten schuf ich meinen Sang
Aus der Enge komm ich her
Oh du Fülle der Gedanken
Von dem Feuermeer umschlossen
Ich sucht´ nach einem Sinnbild für mein Schaffen
Schlimmer als an manchem Tage
Was hast du, Mensch, schon alles durchgelitten
Warum sucht deine Sehnsucht früh´re Zeiten
Von der Krankheit kaum erstanden
Froh bekränzt aus dunklen Grüften
Wieder muss der Flut ich lauschen
Die heil´ge Stunde steigt aus Feuergründen
Kehrt ihr wieder zu mir, liebende Götter euch
Von dem Altare reiße ich das Feuer
Du gleichst der Quelle, die verschwinden muss
Ich schenke nicht, um andre zu erquicken
Einst brannte ich nach deiner Gunst
Nun wird´ ich bald am lauten Markte hängen


Der Dichter stand an seines Todes Pforte.
Er rief den Sohn und sprach zu ihm die Worte:
"Du Feuerkopf, du Blut von meinem Blut,
Du Geist von meinem Geist, du Mut von meinem Mut,
Ich ließ dich immer deine eignen Wege gehn,
Ich ließ dich fallen, ließ dich auferstehn,
Ich hab dich nie mit Reden vorgenommen
Und bin mit Lehren nie zu dir gekommen.
Und doch hat stets mein liebend Vaterherz
Mit dir durchlitten jeden wilden Schmerz.
Aus deinen Augen habe ich gelesen
In welcher Qual und Not du oft gewesen
Und wisse nun: In mancher stillen Nacht
Hab ich um dich gekämpft, um deinen Weg gewacht
Jetzt muss ich dich allein im Weiten lassen
In dieser Welt voll Hader und voll Hassen,
Doch heute will ich dir von meinen Kämpfen sagen,
Vielleicht, dass sie dir helfen leichter tragen.
Lass deine Tränen! Komm und merke auf:
Durch blüh'nde Gärten zog einmal mein Lauf,
Die bunten Rosen grüßten vor den Mauern
Und selten nur umschattete mein Haupt ein Trauern.
Ich sah des Lichtes Grün im ersten Frühling sprießen
Und immer neue Freuden überfließen.
Ich ahnte nicht, was mir die Welt verhüllte,
Da sie mich mit stets schön'ren Bildern füllte.
Den reichsten Segen schenkte mir das Glück
Und nie ließ ohne Trost es mich zurück.
So lebt' ich eines Tages wieder meinen Träumen
Erfreut von Vogelsang in Blütenbäumen,
Da hört' ich durch die Blätter eine Stimme rauschen -
Ich musst' der neuen, niegehörten lauschen,
Ein heißes Sehnen drang durch all mein Fühlen,
Zum ersten Male spürt' ich Schmerzen wühlen,
Ein starkes Drängen zog durch meine Brust.
Ein neues Lied, von dem ich nie gewusst,
Eilt meinen zagen Schritten rasch voran,
Ich folgte zögernd ihm den Berg hinan.
Und als ich oben stand, sah ich unheimlich Glühen
Aus jedem Winkel heiße Farben sprühen.
Die Sonne mir mit Feuerarmen drohte
Und züngelnd in die Wolkenschleifen lohte.
Da tanzten rings um mich die tausend Lichter
"Du Reichgesegneter, du Gottessohn, du Dichter."
Willst Gottes Gabe du für dich behalten
Und im Genießen für die Welt erkalten?
Willst du so jämmerlich den Ruf verraten,
In Trägheit betten deine stolzen Taten?
Verlass dein Glück und wandre in die Weiten,
Entbehre, such´ Gefahren dir und Leiden.
Ein großer Mensch darf nicht bei seiner Lust verharren,
Die macht ihn klein und niedrigt ihn zum Narren.
Da hört´ ich viele Rufe um mich schreien
Und immer neue höhnten her in langen Reihen.“
Hier schwieg der Greis, in seinen Augen standen
Ihm Tränen. Schmerzen, welche einst ihn brannten,
Von neuem die Erinnerung durchlebten
Und als er fortfuhr, seine Worte bebten
Im Anblick frü´hrer Not: „Es kamen Wochen,
Da fand ich keinen Trost, vom Schmerz zerbrochen,
Und alles dünkte mir in schwarze Nacht getaucht,
Die Kraft der früh´ren Freudenstätten schien verraucht.
Ich war nach jenem Tage lange krank
Und haderte mit Gott um Sieg und Dank.

Ich fühlte immer wieder mich am Boden liegen,
Von neuem neue Qualen stets dem Leib entstiegen.
Ich wusste lange nicht um Sinn und Gut,
Nach einst'gen Schätzen brannte heiß mein Blut,
Bis eines Tages auf vom Boden ich mich raffte
Und alles Glück aus der Erinnrung schaffte
Und alles tilgte, was mich hindern konnte.
Da kam das Leben, das so oft mich sonnte
Und schüttete das Licht aus vollen Schalen
Mit neuen Wonnen - und mit neuen Qualen.
Mein Sohn, ich will dir nicht von all den Schmerzen künden,
Die dich in langer Not zum Menschen ründen,
Will schweigen dir vom wahren Wüstenwandern,
Verfolgt, verbessert und verlacht von andern,
Von Zweifeln, die die stille Nacht durchtoben,
Mit Teufel sich und Teufelsschwarm verloben,
Genug, ich will das Heer der Schmerzen dir ersparen.
Willst du zu Gott, musst du sie selbst erfahren.

Noch keiner hat des Menschen Not gelindert
Und seinen frühen Kreuzestod verhindert.
Doch eines dir zum Troste: Wenn die Einsamkeit,
Ein wüstes Weib, durch Nacht und Tage schreit,
Es hilft dir, wenn du deinen Blick zu Großen wendest
Und deine Glut zu ihrer Höhe sendest.
Sie haben alle aus dem Schmerz das Licht empfangen,
Und Ragendes entstand aus Pein und Bangen.
Als man mich später dann mit Glanz und Ruhm umgab,
Blickt' ich voll Wehmut hin auf eines Lebens Grab.
Die stolze Blüte war zur Nacht hinüber
Und Düsternis huscht' an dem Glück vorüber.
Ach Sohn, mit mir wird's nimmer lange währen,
Zu Ende geht des Herzens brünstiges Begehren.
Bald wird die Todesnacht den Körper hüllen
Und endlich, endlich meine Sehnsucht stillen."
Es stirbt der Greis, die Trauerschatten fliegen
Ins stille Zimmer, das sie rings durchwiegen.
Am Lager liegt der Sohn, das Haupt vergraben
In beide Hände. Wilde Schmerzen haben
Ihn heiß umstrickt in bangendem Verweilen.

Die Stunden klanglos durch die Räume eilen
Der Kummer immer neu des Jünglings Herz durchkreist
Bis er sich plötzlich los vom Lager reißt:
"Dein Leib erstarb. Doch deiner Seele Bluten
Umhüllte weihend meines Herzens Gluten.
Wie ist dein Leben still und streng geschritten,
Wie hast du um die Ewigkeit gelitten!
Wie bist du Sieger über alles Leid
Und König in der glaubensarmen Zeit!
Doch hier vor diesem edlen Todesangesicht
Mein strenger Wille aus dem Innern bricht:
Heut' schwör ich wieder Liebe dir und Treue,
Du ewig alte Herrscherin, du ewig neue!
Stets soll das Herz im Heiligsten bewahren
Die tiefe Sehnsucht, die in sommerklaren
Lichtnächten aus den weiten Fernen steigt
Und uns zu Gott die harten Wege zeigt.
Nie soll Verzagen meinen Geist beflecken
Wenn Grausen auch und Gram mich rings belecken
Zum Opfer bring ich dir mein heißes Streben
Und töte, wenn du's forderst, Glück und Lust und Leben."
Er sprach's und stillte seiner Tränen Lauf
Und mutig wanderte sein Blick vorauf.


Der Weg ist weit, das Ziel ist fern
Ins Dunkel sank dir Stern um Stern.
Aus jedem Busch am Wege schreit
Das Weh der tiefsten Einsamkeit.

Verzage nicht. Dein harrt ein Licht,
Das einst aus Wetterwolken bricht
Und siegend mit dem Schein erhellt
In tausendfält'ger Pracht die Welt.


In Glut gegossen und zu Stahl erstarrt
Blinkt dir das Wort, das deiner Folge harrt:
Zwing deines Lebens drängende Gewalten
In strengem Dienst dein Werk dir zu gestalten!
Vernichte nicht, was dir ein Gott gegeben!
Was dich nicht niederzwingt, muss dich zum Lichte heben!

Folg nur dem Geist, der deinen Sinn dir schenkt,
Der dir in stillen Nächten spendet Dank
Und der dich stillt, wenn du vor Durste krank
Und der im Sturme segnend dich umfängt.
Sprich einsam mit den Sternen und dem Wind.
Nicht untersteht dein Wunsch der Menge Wort,
Aus Tiefen kamst, zu Höhen strebst du fort
Mit neuem Wort und Klang dein Tag beginnt.

Was suchst du weiter noch in fremden Leben
Was suchst du weiter noch in fremden Leben
Verwandte Töne? Ach, sie sterben bald.
Es bleibt allein dein heilig Aufwärtsstreben,
Dein strenger Sinn verwehrt den Aufenthalt.

Lass dich nicht durch der andern Leben kümmern,
Sie wissen nicht, was deine Art erhält.
Was dich erlöst aus eigner Not von Trümmern,
Was dir in deinen Kreisen bildet deine Welt.

Blick aufwärts, ohne dich vom Ziel zu wenden
Und lass die andern ihre Wege gehn.
Nur so kannst du das Werk aus dir vollenden,
Und siegend einst als Auserwählter steh´n.


Im Klang und Bild enthüllt sich euer Wesen.
Nun prüfet, ob sich Form und Ton der Seele fügt,
Ob euer Bilderwerk dem strengen Sinn genügt,
Dass aus der Menge Wahnsinn ihr erlesen

Nur verwandtes Wesen kann dich fassen,
Nur verwandte Glut erblickt dein Licht.
Leuchtend gehst du durch der Menschen Gassen,
Doch die Müden sehn dein Strahlen nicht.

Wenigen steht deine Seele offen,
Die dir als des Reichtums Born erscheint.
Trauernd siehst du, wie dein hohes Hoffen
Leise in der Trägheit Nacht verweint.

Segne  deine Stunden, wo ein gleiches Schwingen
Einer Menschenseele deine Tiefen ahnt.
Letzten Grundes musst du einsam ringen
Und vollenden, was dir lang geschwant.


Willst du einst schreiten durch der Sieger Tor,
Willst du einst schreiten durch der Sieger Tor,
So  lern, Gefahr und Not auf dich zu nehmen.
An deinen Schmerzen rankst du dich empor
Und wächst, wenn deine Wünsche dich verfehmen.
Schwankst du und zagst, wirst du es nicht vollenden.
Ein Schwacher nur hält keinem Drängen stand,
Ein Feiger läßt's bei seiner Lust bewenden,
Du aber musst durch Not und Wüstenbrand.

Es wohnt in mir ein hohes Bild
Seit meinen jungen Tagen,
Das habe ich durch Lust und Leid
Als Heiligstes getragen.

Wenn mich die Erde an sich zieht,
Erhebt es mich zum Lichte,
Hab menschlich irrend ich gefehlt,
Erkiest's ein streng Gerichte.

Es wachet über jeden Schritt,
Der hin zu Gott mich leitet.
Nun hab ich über all mein Sein
Den Himmelsglanz gebreitet.


Wenn die andern ihre Taten pflegen,
Ihres Geistes Kraft mit Nacht umschatten,
Steht dir's nicht, die Schwingen lahm zu legen,
Müde hinzudämmern unter Matten.

Ob dich Schmerz, ob Müdigkeit umquälen,
Traure nicht auf hartem Felsenwege.
Froh umgürtet dich das erste Wählen
Und der Helden Mut ward in dir rege.

Ohne Lohn sollst du des Pfades schreiten,
Dein Gesetz und deinen Gott erfüllen,
Bis zum Sieg sich deine Nöte weiten
Und der Höhe Strahlen dich umhüllen (umhellen?).


Aus neuen Gluten schuf ich meinen Sang,
Bis mich die Flamme ganz verzehrt'.
Und nur den Untergang begehrt
Im ewig jungen Weltenfeuerklang.

Aus der Enge komm ich her
Strebend in die Weite.
Immer wächst das Flutenmeer
Mir zur Qual und Leite,
Bis ich in der Ewigkeit
Liebend einst ertrinke,
Losgelöst von Raum und Zeit
Still in Gott versinke.

Oh du Fülle der Gedanken
Seliges zu Gott sich ranken,
Ungesättigt Dichterherz!
Liebend musst du dich verschenken,
Liebend in die Welt versenken,
Liebend küsst dich jeder Schmerz.

Oh du reiche Himmelssonne,
Jauchzend schenkst du Glück und Wonne
Dem, der sich dir gläubig naht.
Und aus deiner Schönheit quellen
Immer neue Lebenswellen,
Herrlichkeit der Schöpfungstat.


Von dem Feuermeer umschlossen,
Von dem Gotteslicht umflossen
Lodre ich, der Flamme gleich,
Meine Blicke zu den Sternen,
Meine Sehnsucht nach den Fernen,
Wachs´ ich in das Gottesreich.

Ich sucht´ nach einem Sinnbild für mein Schaffen
In dem Geheimnis aller Gottnatur
Und wanderte im Schaun durch weite Welten.
Doch keines wollte völlig mir genügen,
Und nichts entsprach dem, was ich werden fühlte.
Da kam ich heute an ein Wiesenstück,
Nur grüne, kleine Gräser - doch inmitten
War eine blaue Blume aufgeblüht.
Ich neigte mich, um näher sie zu schauen
Und ihren weichen Duft in mich zu saugen.
Da hört´ ich eine leise, feine Stimme:
„Was wisst von unsern Nöten, unsern Sorgen
Ihr, die ihr euch an unsrer Schönheit freut?
Vom langen Harren in der feuchten Erde,
Vom Warten auf die ersten Sonnenstrahlen,
Vom Sehnen und vom Wachsen und vom Werden.
Was wisst ihr von dem Leid der Regentage,
Vom Sturm und ungezählten andern Feinden!
Doch alles litt ich um des einen willen,
Die Blüte zu der Sonne auszubreiten,
Und dass ich also wurde, dank ich Gott.“
Da schlich ich leise von der Blume fort
Und schmähte mich ob meiner Ungeduld.

Schlimmer als an manchem Tage
Schlimmer als an manchem Tage
Quälten heut mich meine Qualen,
Wilder wühlten meine Schmerzen.

Nun ist wieder Abend worden
Und der Abend breitet Frieden,
Bringt dem Herzen froh Bescheiden.

Über mir verzieh´n die Wolken
Letzte nach den Regentagen.
Endlich öffnet sich der Himmel
Ganz in seiner lichten Fahle.

Freudig blinkt der erste Stern.


Was hast du, Mensch, schon alles durchgelitten,
Wer folgte dir zur letzten Einsamkeit?
Wie hast du heiß um Sieg und Licht gestritten,
Als Qualen dich umfingen, Tod und Leid?

Nun stehst du neu an deines Zweifels Wege
Und grausam richtet deiner Strenge Maß,
Die alten Nöte werden in dir rege
Und bange Fragen folgen dir voll Haß.


Warum sucht deine Sehnsucht früh´re Zeiten,
Wo dir das Schaffen jede Freude gab?
Vernimmst du nicht den Ruf der Einsamkeiten,
Sie zwingen dich zu ihrer Not hinab.

Steig ohne Wanken in die dunklen Gründe
Und blicke nicht zurück, wenn du erbebst.
Erfahr´ im Schweigen, dass sich dir verbünde
Das Sterben mit der Glut, in der du lebst.


Von der Krankheit kaum erstanden
Fühl´ ich schon ein neues Drängen.
Neuen Liedern und Gesängen
Muss mein Herz entgegenschlagen.

Durch die jungen Wälder tragen
Muss ich all mein Lieben, Träumen,
Meiner Seele Überschäumen,
Um mein Maß und Ziel zu finden.

Und in frohem Überwinden
Füg´ ich mich den heil´gen Banden.


Froh bekränzt aus dunklen Grüften
Steigt ein junger Morgen wieder.
Rosenwolken in den Lüften
Spielen um die reinen Glieder.

Nächtlich aus der Seele Bronnen
Blutend tausend Wasser sprühten,
Leidend kreisten tausend Sonnen,
Tausend goldne Lichter glühten

Und aus meinen Schattengründen
Wandte sich mein Gott, der hehre,
Ließ aus seinen Tiefen münden
Reiche Freuden in die Leere.

Und um dieser Freuden willen
Muss ich all den Schmerz ertragen.
Um die Glut im Licht zu stillen
Durch die schwarzen Nächte jagen.

Stünd´ mir frei noch, zu entscheiden,
Nie mehr würd´ ich es bedenken,
Durch die Qualen, durch die Leiden
Meinen Weg von neuem lenken.


Wieder muss der Flut ich lauschen,
Die entströmt des Gottes Wunden,
Meinen Schmerz mit Freude tauschen
Und zu neuem Licht gesunden.

Weinend will ich heute beten
Dankbar für das junge Glühen
Froh ins neue Leben treten.
Winterstarre löst das Blühen.

Kommt, ihr schöpferischen Mächte,
Strömt herein in Herz und Sinnen!
Weicht von dannen, schwarze Nächte!
Morgenluft bringt neu Beginnen.


Die heil´ge Stunde steigt aus Feuergründen
Umgeben von der Freuden Wonneschar,
Die in dem Spiel die hellen Leiber ründen
Und wo sie wandelt, wird es licht und klar.

Ein frohes Ahnen läuft vor ihren Schritten
Und wo ein Schmerz noch weilte, floh er fort.
Sie neigt sich liebend, kühlt die heißen Bitten
Und ihre Nähe segnet jeden Ort.


Kehrt ihr wieder zu mir, liebende Götter euch,
Die ihr Qual mir und Schmerz und alle Freuden gabt?
Alles wurde zum Segen
Und zu reicherer Fülle mir,
Wenn in Demut ich lebt´,
Nur das Gefäß zu sein
Das ihr Ewigen stets
Heiligtet durch das Lied,
Das in den Tagen des Glückes
Und des Leides mein Tröster war.

Von dem Altare reiße ich das Feuer,
Um es der müden Menschheit neu zu bringen,
Ein ewig Alter und ein ewig neuer,
Fühl´ ich des Geistes Wesen aus mir dringen.

Ich buhle nicht um Groß und Gunst der Menge,
Da ich entspross aus altem Königsstamme.
Fern von den Menschen wuchsen die Gesänge.
Ein Wahrer Gottes zünd´ ich neu die Flamme.


Du gleichst der Quelle, die verschwinden muss,
Weil ihr Gewässer aus der Tiefe quillt,
Die unerschöpft mit ihrem Gnadenfluss
Den Durst der müden Wandrer stillt.

Im Waldesrauschen lebt dein bunter Traum.
Der Menschen Hast bleibt deiner Stille fern.
Den Himmel nimmst du auf durch Busch und Baum
Und spielst im Abendschein mit Mond und Stern.


Ich schenke nicht, um andre zu erquicken,
Ich schaffe, weil der Seele wilde Flut
Aus meinem Innern quillt in nie gestillter Glut.
An meiner Fülle müsste ich ersticken.

Wenn meine Werke einst am Himmel hangen
Ihr preist vielleicht des Dichters gutes Wort
Doch nur die Qual riss mich zum Lichte fort
Und meiner Sehnsucht grenzenlos Verlangen.


Einst brannte ich nach deiner Gunst,
Du Himmelsherrin, heil´ge Kunst.
Ich lag an deines Tempels Pforte
Und süchtete nach Bild und Worte.

Nun hast du mich zum Dienst erlesen.
Zur Flamme ward mein ganzes Wesen.
Gepeitscht von deinen wilden Schlägen
Muss ruh´los ich die Schwingen regen.


Nun wird´ ich bald am lauten Markte hängen,
Verkäuflich meiner Seele Lied,
Das Heiligste umzuckt von rohen Fängen
Ahnst du die Qual, die mich durchzieht?
Doch wehe, wenn ein Klagen mich entweihte!
Ich folge Gott. Was geht mein Schmerz mich an
Seit ich im Licht die hohe Herrin freite,
Gibt´s  nur ein Vorwärts auf der Sonnenbahn.



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