12.5. Wenn ich deine Geburt in mir geschehen lasse,
schenke ich dir die Möglichkeit, mich mehr und mehr in dich zu verwandeln

Hinführung:
"Gott kann uns ebensowenig entbehren wie wir ihn" (386,22f) - so überspitzt kann Meister Eckehart etwas ausdrücken, was uns mit unzulänglichen Worten eine Ahnung davon vermitteln soll, wie stark es Gott zu einem jeden Menschen drängt. Gott will sich ohne Vorbehalt an uns freuen, er will uns beschenken - die Voraussetzung dafür aber ist unsere fortschreitende Verwandlung in ihn selbst. Meister Eckehart begründet das so: "Nun aber kann Liebe nicht sein, wo sie nicht Gleichheit findet oder Gleichheit schafft" (405,27ff).

Als Christ sieht Meister Eckehart Gott in seiner dreifachen Ausfaltung: als Vater, als Sohn und als Heiligen Geist. Und alle drei göttlichen Personen können nach der Erfahrung Meister Eckeharts Ziel dieser Verwandlung sein. Auch wenn der Ausdruck "verwandeln" nicht immer gebraucht wird, so sprechen folgende Worte doch eine klare Sprache:
 

  • "Wir werden völlig in Gott transformiert und verwandelt" (2 Kor 3,18)... Ganz so, wie wenn im Sakramente Brot in unseres Herrn Leib verwandelt wird" (185,35ff).
  • Meditationswort:
    "Wenn Gott die Seele in sich zieht, so verwandelt sie sich in Gott, nicht aber Gott zur Seele."
    Bildhafte Hinführung:
    "Wenn man einen Tropfen in das wilde Meer gösse, so verwandelte sich der Tropfen in das Meer und nicht das Meer in den Tropfen. So (auch) geschieht es der Seele: Wenn Gott sie in sich zieht, so verwandelt sie sich in ihn, so dass die Seele göttlich wird, nicht aber Gott zur Seele" (410,5ff).
    Biblische Grundlage:
    "Wir werden so in sein eigenes Bild verwandelt , von Herrlichkeit zu Herrlichkeit" (2 Kor 3,18).
    Wiederholungsgebet:
    - Mein Gott, der mich liebt und sich danach sehnt, mich mehr und mehr in sich zu verwandeln -
    Kontemplation:
    Ich sehe mich als ein Haus mit geschlossenen Fensterläden, das von der Sonne umflutet ist - und öffne die "Fensterläden", einen nach dem anderen: "Knotenbereiche meines Lebens", die noch auf Verwandlung warten... dabei kann ich vielleicht ahnen, wie froh es die "Sonne" macht, mich zu durchfluten...
    Weitere Textstelle:
    "Christus sagt: 'Ich bin der Weg'" - und Meister Eckehart jubelt über dieses Geschenk: "Der dritte Weg heißt zwar 'Weg' und ist doch ein 'Zuhause'-Sein, er ist: Gott zu schauen unmittelbar in seinem eigenen Sein. Nun sagt der liebe Christus: 'Ich bin (der) Weg, (die) Wahrheit und (das) Leben' (Joh 14,6): Außerhalb dieses Weges bilden alle Kreaturen Umringung und (trennendes) 'Mittel'. Auf diesem Wege (aber) in Gott(-Vater) hineingeleitet vom Lichte seines 'Wortes' und umfangen von der Liebe des (Heiligen) 'Geistes' ihrer beider: das geht über alles, was man in Worte fassen kann" (285,3ff).

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