12. 3. Wenn ich deine Geburt in mir geschehen lasse,
wartet deine Liebe in allem auf mich

Hinführung:
Noch einmal möchte ich in diesem neuen Zusammenhang den Gedanken Meister Eckeharts aufnehmen, dass der liebende Mensch in allem, was ihm begegnet, das Bild des Geliebten findet:
"Wer da etwas heiß mit ganzer Inbrunst so liebt, dass ihm nichts anderes gefällt und zu Herzen geht als (eben) dies, und er nur nach diesem verlangt und nach sonst gar nichts: ganz gewiß, wo immer ein solcher Mensch sein mag oder bei wem oder was er auch beginnt oder was er tut, nimmer erlischt doch in ihm das, was er so sehr liebt, und in allen Dingen findet er (eben) dieses Dinges Bild, und dies ist ihm um so stärker gegenwärtig, je mehr die Liebe stärker und stärker wird" (61,2ff). Ich denke: hier läßt uns Meister Eckehart ein wenig Einblick nehmen in seine eigene Liebe zu Gott. Wenn nun menschliche Liebe nichts anderes ist als das Spiegelbild der Liebe Gottes zu uns, dann dürfen wir wagen, die Worte Meister Eckeharts umzuwenden, sie neu zu formulieren im Blick auf Gottes Liebe zu uns, etwa so: "Weil du mich mit ganzer Inbrunst so liebst... usw." Jeder kann das auf seine Weise tun und entsprechend verändern, wo es ihm nötig erscheint. Vielleicht lässt mich diese kleine Übung neu verstehen, weshalb mich Gottes Liebe in allem, was "er tut", in allem, was mir geschieht, sucht und auf mich zukommt Dazu braucht Gott den "Filter der Dinge", damit mich seine Liebe nicht verbrennt: "Das göttliche Licht (ist) so überstark und hell, dass der Seele Auge es nicht aushalten könnte, ohne dass es (= der Seele Auge) ...durch Gleichnisse gekräftigt und emporgetragen und so geleitet und eingewöhnt würde in das göttliche Licht" (295,18ff).
Meditationswort:
"Gott ist gleicherweise in allen Dingen und an allen Stätten und ist bereit, sich in gleicher Weise zu geben, soweit es an ihm liegt" (324, 31ff).
Biblische Grundlage und bildhafte Hinführung:
"Wer weiß und erkennt, wie 'nahe' ihm 'Gottes Reich' ist, der kann mit Jakob sagen: 'Gott ist an dieser Stelle, und ich wußte es nicht' (Gen/1 Mose 28,16); nun aber weiß ich's.'" (324,5ff).

Das gilt für diesen Augenblick, den ich gerade erlebe, und für den Ort, an dem ich jetzt bin, sowie für den Zustand, in dem ich mich vorfinde: "Gott ist an dieser Stelle - und ich wußte es nicht."

Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mich liebt und sich danach sehnt, mich hier und jetzt mit seiner Liebe zu berühren -
Kontemplation:
"In allem, was mir begegnet" - "Deine Liebe zu mir"...
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"So wie der Sonne Schein sich nicht auf das Erdreich wirft, ohne von der Luft umfangen und über andere Dinge ausgebreitet zu werden, weil ihn sonst des Menschen Auge nicht aushalten könnte; ebenso ist das göttliche Licht so überstark und hell, dass der Seele Auge es nicht aushalten könnte, ohne dass es (= der Seele Auge) durch die Materie und durch Gleichnisse gekräftigt und emporgetragen und so geleitet und eingewöhnt würde in das göttliche Licht" (295,18ff).

"In welcher Seele 'Gottes Reich' sichtbar wird und welche 'Gottes Reich' als ihr 'nahe' erkennt, der braucht man nicht zu predigen oder Belehrung zu geben: die wird dadurch belehrt und des ewigen Lebens versichert. Wer weiß und erkennt, wie 'nahe' ihm 'Gottes Reich' ist, der kann mit Jakob sagen: 'Gott ist an dieser Stelle, und ich wußte es nicht' (1 Mose 28,16); nun aber weiß ich's" (324,5ff).

(Vgl. dazu auch: "Wenn ich über 'Gottes Reich' nachdenke, dann lässt mich das oft verstummen vor seiner Größe. Denn 'Gottes Reich', das ist Gott selber mit seinem ganzen Reichtum. 'Gottes Reich' ist kein kleines Ding: Stellte man sich alle Welten vor, die Gott erschaffen könnte: das ist Gottes Reich nicht! Ich pflege zuweilen ein Wort zu sagen: 'Gott ist an dieser Stelle, und ich wusste es nicht'  (1 Mose 28,16); nun aber weiß ich's" (324,5ff).)


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