12. 1. Wenn ich deine Geburt in mir geschehen lasse,
schenke ich dir große Freude

Hinführung:
Meister Eckehart ist überzeugt davon, dass wir Menschen Gott Freude schenken können! Er hat eine ganz einfach Logik, die ihn zu diesem Gedanken führt: Je reiner und selbstloser ein Mensch ist, um so mehr freut er sich ungeteilt über alles Gute, das ein anderer Mensch tut. Wie viel mehr wird sich dann Gott über vieles freuen, was er am Menschen entdeckt. So ruft er aus: "O Wunder über alle Wunder! Kann ein Mensch in diesem Leben Freude geben denen, die in dem ewigen Leben sind? Ja, wahrhaftig! Jeglicher Heilige hat so große Lust und so unaussprechliche Freude durch jegliches gute Werk, - durch ein gutes Wollen oder ein Begehren haben sie so große Freude, dass kein Mund es auszusprechen und kein Herz auszudenken vermag, wie große Freude sie dadurch haben. Warum ist dem so? Weil sie Gott so ganz über alle Maßen lieben und ihn so recht lieb haben, dass seine Ehre ihnen lieber ist als ihre Seligkeit. Und nicht nur die Heiligen und die Engel, vielmehr Gott selbst hat so große Lust daran und sein Genügen und sein Wohlbehagen" (182,19ff).
Meditationswort:
"Wollten wir Gott aus keinem anderen Grunde dienen als um der großen Freude willen, welche Gott daran hat, wir könnten es gern tun und mit allem Fleiß."
Biblische Grundlage:
"Im Himmel wird Freude sein über einen Sünder, der Buße tut" (Lk 15,7).
Lebensmeditation:
Ich meditiere einen Menschen, der mir lieb ist - und lasse mich von der Freude durchdringen, die alles Gute und Schöne, was er hat, in mir auslöst... Dafür lasse ich mir viel Zeit... Dann lasse ich den Gedanken zu: "Wenn nun Gottes Blick mit ebensolcher Freude und Liebe auf mir und meinem Leben ruhte?"...
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mich liebt und sich danach sehnt, sich an mir freuen zu können -
Kontemplation:
Ich fühle mich von Gott in Liebe und Freude angeschaut und lasse unter diesem Blick mein Herz ganz weit werden...
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Nicht nur durch eine jegliche Tugend, sondern auch durch jegliches Werk des Gerechten, wie gering es auch sein mag, ...durch das wird Gott erfreut, ja durchfreut; denn nichts bleibt in seinem Grunde, was nicht von Freude durchkitzelt würde" (267,11ff).
"'Freuet euch, Himmel und Erde!' Wahrlich, wahrlich! Bei Gott, bei Gott! Seid dessen so gewiss, wie dass Gott lebt: Das geringste gute Werk oder der geringste gute Wille oder das geringste gute Begehren, darüber freuen sich alle Heiligen im Himmel und auf Erden und alle Engel in einer solchen Freude, dass diese ganze Welt eine gleiche Freude nicht zu bieten vermag! ...Gleichviel ist alle diese Freude zusammen recht so klein wie eine Linse gegenüber der Freude, die Gott an jenem Werke hat. Denn Gott hat ein rechtes Vergnügen und Lachen bei (jedem)... Werke (das zu seinem Lobe geschieht)" (349,10ff).
"Wohlan nun merket auf! Wollten wir Gott aus keinem anderen Grunde dienen als um der großen Freude willen, welche die daran haben, die im ewigen Leben sind, und Gott selbst, wir könnten es gern tun und mit allem Fleiß" (183,30ff).

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