11.4. Deine Geburt in mir lässt mich etwas davon ahnen,
dass sich alles, was ich tue,
zu einem Mitwirken mit dir verwandeln kann

Hinführung:
"Da nun aber der Mensch in diesem Leben nicht ohne Tätigkeit sein kann, die nun einmal zum Menschsein gehört und deren es vielerlei gibt, lerne der Mensch, seinen Gott in allen Dingen zu haben und unbehindert zu bleiben in allen Werken" (63,17ff). Dieser Satz begegnete uns schon im Zusammenhang der Gelassenheit. Mit großer Selbstverständlichkeit setzt Meister Eckehart voraus, dass der Mensch nicht ohne Arbeit, nicht ohne "Tätigkeit" zu leben vermag. Wenn Meister Eckehart in diesem Zusammenhang den so entscheidenden Gedanken einbringt, dass nicht das Tun, sondern das "Sein" den Menschen heiligt, dann schweigt er nicht über die Voraussetzung: Wo der Mensch wirklich in seinem Sein "eins" geworden wäre mit seinem Gott, dort "leuchtete (ihm) Gott ebenso im weltlichen wie im allergöttlichsten Werk" (63,7f). Nicht, dass deshalb der Mensch "etwas Unpassendes tun solle; sondern was ihm von äußeren Dingen her zufällt, das soll er zu Gott kehren" (63,10f).

Wir müssen dabei mithören, dass "Arbeit" und "Werk" bei Meister Eckehart noch nicht in unserem Sinne säkularisiert sind. Hauptaufgabe, Haupt - "werk" jedes Menschen ist es, den Weg zu Gott zu suchen - in allem, was er tut. Wo das aber geschieht, ist es Gott selbst, der im Menschen wirkt. Dem Menschen bleibt nur das "Mitwirken" mit ihm: "Soll ich Gott unmittelbar und ohne Bild und Gleichnis erkennen, so muss Gott geradezu ich werden und ich geradezu er, so völlig eins, dass ich mit ihm wirke, und zwar nicht so mit ihm wirke, dass ich wirke und er nachschiebe: ich wirke (dabei) vielmehr ganz mit dem Meinigen. Ganz eigentlich so wirke ich mit ihm, wie meine Seele mit meinem Leibe wirkt" (402,4ff). Dieses "Wirken" wird so zu einem "Erleiden".

Meditationswort:
"Der Mensch ist ein reiner Gott-Erleider in seinen Werken" (307,16ff).
Bildhafte Hinführung:
Meister Eckehart gebraucht das Bild, dass der Mensch in seiner Empfänglichkeit für Gott "Jungfrau" ist, im Fruchtbarwerden der Werke jedoch "Frau"...( vgl. die Predigt über Maria und Marta (159ff).
Ich kann versuchen, beide Möglichkeiten in mir zu erspüren, wie sie in jedem Menschen ruhen...
Biblische Grundlage:
"Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen" (Eph 2,10).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, dessen Ewigkeit mich berührt, wo ich zu tun wage, was ich von innen her tun möchte -
Kontemplation:
Ich spüre dem nach, was mich von innen her zu einem Tun treibt, und lasse die Kraft dieses Wirkens Gottes in mein Tun einströmen...
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Wenn der Mensch erhoben ist über die Zeit in die Ewigkeit, so wirkt dort der Mensch ein Werk mit Gott" (269,7f).

"Dass der Mensch Gott in sich empfängt, das ist gut, und in dieser Empfänglichkeit ist er Jungfrau. Dass aber Gott fruchtbar in ihm werde, das ist besser; denn Fruchtbarwerden der Gabe, das allein ist Dankbarkeit für diese Gabe, und da ist der Geist Weib in der wiedergebärenden Dankbarkeit... Viele gute Gaben werden empfangen in der Jungfräulichkeit, werden aber nicht in weiblicher Fruchtbarkeit... wieder eingeboren in Gott" (160,3ff).


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