11. 3. Deine Geburt in mir lässt mich etwas davon ahnen,
dass mir alles Gute aller Menschen zu eigen gehören soll

Hinführung:
Als eine der wichtigsten Entdeckungen unserer Zeit - ebenbürtig der Entdeckung der Atomkraft - hat jemand die Entdeckung des "kollektiven Unbewussten" durch C.G. Jung bezeichnet. Es ist schon ein atemberaubender Gedanke, dass sich nicht nur die physischen und psychischen Merkmale eines Menschen an seine Nachkommen vererben können, sondern dass auch besondere Erfahrungen, tiefe Erlebnisse und ähnliches in das Erbgut der Menschheit eingeflossen sind und dort als archetypische Bilder in einem jeden Menschen ruhen. Eine junge Frau erzählte bewegt von einem Traum, in dem sie die Sintflut erlebte - uraltes Erinnerungsgut der Menschheit! In diesem "kollektiven Unbewussten" sind wir Menschen miteinander verbunden über Raum und Zeit hinaus.
(Karl Rahner nun bringt hier einen Gedanken ein, der mir sehr wichtig ist. Er meint: Indem Jesus Christus in das "Reich des Todes" hinabgestiegen ist, hat er den Bereich dieses "kollektiven Unbewussten" der Menschheit betreten und dort hinein seine Erlösung gebracht. (Vgl. A.Grün, "Erlösung durch das Kreuz") Seitdem hat ein jeder die Möglichkeit, daran Anteil zu haben, soweit er Mensch ist.)
Von dieser verborgenen, aber tiefen Verbindung aller Menschen miteinander hat Meister Eckehart etwas gespürt und es in der Sprache seiner Zeit auszudrücken versucht. Uns begegneten schon Worte, in denen er von einem "Ort" spricht, der jenseits von Raum und Zeit liegt - und in dem auch die Trennung zurückbleibt, welche die einzelnen Menschen voneinander scheidet.
Meditationsworte:
"Was im Reich der Himmel einer hat, das hat auch der andere" (s.u.)

"Alle die Werke, die unser Herr je wirkte, die hat er mir so zu eigen gegeben, dass sie für mich nicht weniger lohnwürdig sind als meine eigenen Werke" (174,34ff).

Bildhafte Hinführung:
"Ich gebe ein Gleichnis: Im Leibe sind alle Teile des Leibes so geeint, dass das Auge auch dem Fuße und der Fuß dem Auge gehört. Könnte der Fuß sprechen, er würde sagen, das Auge, das im Kopf sitzt, sei mehr sein, als wenn es im Fuß säße, und dasselbe würde hinwiederum das Auge sagen" (318,24ff).
Biblische Grundlage:
"Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber... doch ein Leib sind: so auch Christus" (1 Kor 12,12ff).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, dessen Ewigkeit mich berührt, wo ich mich selbstlos am Guten eines anderen Menschen freue -
Kontemplation:
"Ich" - "Glied deines Leibes"... (Welches Glied bin ich?)
Vollständiger Text:
"Und ebenso meine ich...: Im Reiche der Himmel ist alles in allem und alles eins und alles unser... Was dort einer hat, das hat (auch) der andere und (zwar) nicht als von dem andern oder in dem andern, sondern als in ihm selbst (seiend), dergestalt, dass die Gnade, die in einem ist, völlig auch im andern ist, ganz so, wie seine eigene Gnade in ihm ist" (318,24ff).

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