8.7. Wo ich mein Leiden aus deiner Hand annehme,
kann ich neue Dimensionen des Trostes erfahren

Hinführung:
Meister Eckehart kann sagen, dass von Gott angenommenes Leiden einen unermesslichen Wert hat. Er wagt sogar die Frage, woher es denn käme, dass Gott die Seinen oft so wenig leiden lässt - wo er doch den großen Segen des Leidens kenne. Eine für uns fast unfassbare Frage! Er hat dabei die Apostel vor Augen: "Ein Stück Silber oder Gold ist wohl rein; doch, wenn man daraus ein Gefäß machen will, aus dem der König trinken soll, so brennt man es ausnehmend stärker als ein anderes. Darum steht von den Aposteln geschrieben, sie hätten sich gefreut, dass sie würdig waren, Schmach um Gottes willen zu erdulden (Apg 5,41)" (129,24ff). Und er führt gern die Stelle aus dem Hebräerbrief an, dass die Welt der vielen Menschen, die um Gottes und um ihres Glaubens willen gelitten haben, "nicht wert war (Hebr 11,38)" (135,4ff).

Vor mir steht in diesem Zusammenhang das Bild des großen spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz. Viele Monate verbrachte er in einem Kerker unter Bedingungen, die ihm - menschlich gesehen - keine Überlebenschancen ließen. Niemand weiß, was in diesen Monaten alles an Fragen und an Zweifeln durch sein Herz gegangen sein mag. Und dort - mitten in dieser absoluten äußeren und inneren Dunkelheit - ist sein kostbares Werk gewachsen: "Die dunkle Nacht". Bis heute ist es einzigartig in seiner Einsicht, wie Gott die Seinen in solchen Dunkelheitsphasen reinigen und an sich ziehen will.

Meditationswort:
"Wenn dich nichts zu trösten vermag als Gott,
wahrlich, so tröstet dich Gott und mit ihm alles, was Wonne und Trost ist" (115,26ff).
Biblische Grundlage:
"Es erschien aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn" (Lk 22,43).

Ich versuche mich in dieses Bild hineinzubegeben, was da geschehen sein mag...

Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mich bittet, wahren Trost allein bei ihm zu suchen -
Kontemplation:
"Ja - Vater"... Dieses Wort "konsekriert" mein Leid (s. S. 160).
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Denn was der Mensch gern hätte, aber verschmerzt und entbehrt um Gottes willen, sei's leiblich oder geistig, das findet er alles in Gott, als wenn es der Mensch besessen und sich willig seiner entäußert hätte; denn der Mensch soll aller Dinge willig um Gottes willen beraubt sein und in der Liebe sich allen Trostes entschlagen und begeben aus Liebe" (68,4ff).

"Willst du volle Freude und Trost haben und finden in Gott, so sieh zu, dass du ledig seist aller Kreaturen, alles Trostes von den Kreaturen; denn sicherlich, solange dich die Kreatur tröstet und zu trösten vermag, findest du niemals rechten Trost. Wenn dich aber nichts zu trösten vermag als Gott, wahrlich, so tröstet dich Gott und mit ihm und in ihm alles, was Wonne ist. Tröstet dich, was nicht Gott ist, so hast du weder hier noch dort Trost. Tröstet dich hingegen die Kreatur nicht und schmeckt sie dir nicht, so findest du sowohl hier wie dort Trost" (115,23ff).


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