8.4. Wo ich mein Leiden aus deiner Hand annehme, kannst du mir sagen:
Für alles, was ich dir nehme, will ich dir etwas Besseres geben

Hinführung:
Wir sagten es schon : Einer der zentralsten Gedanken Meister Eckeharts ist der Gedanke der Verwandlung. Immer wieder spricht er von diesem Geheimnis, das wie der Sauerteig allen Geschehens in der Eucharistie geschieht. Darin leuchtet ihm das Ziel des in Gott hinein verwandelten Menschen auf. Ich meine, ohne diesen Gedanken der Verwandlung wäre das Thema des heutigen Tages schwer zu begreifen. Wenn Gott uns für das, was er uns nimmt, etwas Besseres geben will, geht es nicht um einen vordergründigen "Ersatz", sondern um etwas, was auf einer qualitativ anderen Ebene liegt: Meister Eckehart sagt: "Was immer zu Gott kommt, das wird verwandelt; so geringwertig es auch sei" (167,23f). Und er meint dabei gerade das Dunkle und Harte - das Leid, das uns getroffen hat.

Und wenn Gott so oft das Leid eines Menschen, das ihn trifft und dem er nicht entgehen kann, gerade dort zulässt, wo es ihn am härtesten zu treffen scheint, wie wir schon sagten, dann kann uns eines Tages eine Ahnung davon kommen, dass er solches gerade deshalb tut, weil er uns nicht nur irgendwo an der Oberfläche, sondern im Zentrum unseres Lebens verwandeln möchte. Auf unserer letzten Meister-Eckehart-Tagung wies eine Teilnehmerin darauf hin, dass ja auch in den Märchen immer wieder von bestimmten Menschen das "Allerliebste" eingefordert wird - auf ihrem Weg zum vollen, reifen Menschsein.

Meditationswort:
"Gott vermöchte keinerlei Schaden zu dulden, wenn er nicht einen viel größeren Gewinn darin erkennte und anstrebte" (128,6ff).
Bildhafte Hinführung:
"Ein weiser Arzt berührt niemals den kranken Finger des Menschen, so dass er dem Menschen weh tut, wenn er nicht den Finger selbst oder den gesamten Menschen in einen besseren Zustand zu versetzen und ihm Erleichterung zu schaffen vermöchte" (128,11ff).
Biblische Grundlage:
"Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?" (Lk 24,26).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mich bittet, auf seine meinen Schmerz verwandelnde Macht zu hoffen -
Kontemplation:
"Ja" - "Vater"... (oder ein anderes, selbstgewähltes Wort).
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Ein Mensch zieht einen Weg hin oder verrichtet ein Werk oder unterlässt ein anderes und dabei widerfährt ihm ein Schaden: er bricht ein Bein, einen Arm oder verliert ein Auge, oder er wird krank. Will er dann beständig denken: Wärest du einen andern Weg gezogen oder hättest du ein anderes Werk verrichtet, so wäre dir das nicht widerfahren, so bleibt er ungetröstet und wird notwendig leidbedrückt. Und deshalb soll er denken: Wärest du einen anderen Weg gezogen oder hättest du ein anderes Werk verrichtet oder unterlassen, so wäre dir leichtlich ein viel größerer Schaden und Kummer widerfahren; und auf solche Weise würde er zu Recht getröstet" (119,1ff).

"Was immer zu Gott kommt, das wird verwandelt; so geringwertig es auch sei, wenn wir es zu Gott bringen, so entfällt es sich selbst... Was immer aber in Gott ist, das ist Gott; das kann ihm nicht entfallen. Es wird in göttliche Natur versetzt" (167,24ff).


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