8.2. Wo ich mein Leiden aus deiner Hand annehme, kannst du mir sagen:
Danke für das, was du vorher an Gutem hattest

Hinführung:
Es gibt alte Menschen, die ihren Lebenspartner verloren haben, welche diesen Verlust kaum oder gar nicht überleben - und es gibt andere, in welchen der Dank immer tiefer wird für die Tage der Gemeinsamkeit, die sie haben durften. Nichts, was gewesen ist und einen Menschen erfüllt hat, hat ihn unverändert gelassen. Nichts an menschlichen Erlebnissen und Erfahrungen ist einfach vergangen - im Sinne unseres normalen Sprachgebrauches -, sondern alles, was mich betroffen hat, ist irgendwie in mir als bleibende Prägung geblieben. Eines Tages wurde mir das deutlich: Beim Abendgebet sprang mich das Wort an "Da nun der Tag vergangen ist..." Da leuchtete mir plötzlich auf, wie einseitig ich dieses Wort bisher verstanden hatte: Was gewesen ist, versinkt doch nicht einfach wieder ins Nichts! Ich bin doch am Abend eines Tages nicht mehr die gleiche, die ich am Beginn dieses Tages war! Alles Geschehene ist in mich eingegangen und hat mich ein Stück geprägt. Damit ist es zu einem Teil von mir geworden...
Meditationswort:
"Du sollst Gott danken, der dir gegeben hat, (was) du verlieren konntest" (119,16f).
Bildhafte Hinführung:
"Wenn einer, der mir seinen Rock, Pelzrock und Mantel geliehen hätte, seinen Mantel zurücknähme und mir den Rock und den Pelzrock im Frost ließe, so sollte ich ihm sehr zu Recht danken und froh sein" (120,18ff).
Lebensmeditation:
Ich taste dem nach, was mir in meinem bisherigen Leben zu einem bleibenden Besitz geworden ist, obwohl ich das, was mir diesen Besitz vermittelt hat, loslassen musste...
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mich bittet, für das zu danken, was mir anvertraut war -
Kontemplation:
Was ich heute bin, ist gewachsen in einer langen, einmaligen und einzigartigen Lebensgeschichte...: "Ich" - "darf ich sein"...
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Nun sage ich: Sintemalen dem Menschen alles das, was gut oder tröstlich oder zeitlich ist, ihm auf Borg geliehen ist, was hat er dann zu klagen, wenn der, der es ihm geliehen hat, es zurücknehmen will? Er soll Gott danken, der es ihm so lange geliehen hat. Auch soll er ihm danken, dass er es ihm nicht insgesamt wieder wegnimmt, was er ihm geliehen hat... Wenn ich will, dass das Gute, das ich habe, mir zu eigen gegeben und nicht (nur) geliehen sei, so will ich Herr und will Gottes Sohn von Natur und in vollkommenem Sinne sein und bin doch nicht (einmal) Gottes Sohn von Gnaden" (120,7ff).

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