7.3. Wo ich mein Leiden aus deiner Hand annehme,
kann es mich von allen falschen Bindungen lösen

Hinführung:
Diese Themenstellung schließt sich eng an die vorhergehende an: Lasse ich mich darauf ein, dass mir Gott nehmen darf, woran ich mein Herz in unguter Weise gehängt habe, dann muss ich mich früher oder später der Frage stellen: Ist mir das, wohin mich "Gelassenheit" im Eckehart'schen Sinne führen will, so wertvoll, dass ich bereit bin, mich dieses Ziel "alles kosten zu lassen, was ich aufzubringen vermag" ? Eine bejahende Antwort auf diese Frage ist wohl nur von zwei verschiedenen Erfahrungshorizonten her möglich: Entweder ich erlebe in mir etwas von dem, was Augustinus sagt: "Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir" - etwas von der tiefen, nicht zu stillenden Unruhe und Sehnsucht nach "ich weiß nicht was", von der Johannes vom Kreuz spricht.
Oder ich habe einmal ahnungshaft etwas davon schmecken und kosten dürfen, worin die Seligkeit beruht, in der die Seele zur Ruhe kommt: "Wer Gott (nur) von fern wie durch ein Vermittelndes hindurch oder in einer Wolke erkennen würde, (schon) der würde sich (selbst) um den Preis dieser ganzen Welt nicht einen Augenblick (mehr) von Gott trennen. Was glaubt ihr aber dann, wie überwältigend es ist, wenn man Gott unmittelbar schaut?" (343,16ff) Wenn das so ist, dann kann mich letztlich nichts anderes mehr wirklich befriedigen als Gott selbst - ich bleibe am Suchen und am Nachjagen, auch wenn ich das Ziel noch nicht klar vor Augen sehe.
Diese beiden Möglichkeiten können einander ergänzen. Wo aber eine von ihnen oder auch beide zutreffen, dort wage ich, Gott die Regie zu übergeben - auch im Wissen darum, dass es zuerst ein schmerzhafter Weg sein kann. Er allein weiß, was mich noch am Einswerden hindert, wovon allein er mich loslösen kann. Alles eigene Verzichten und alles Losgelöst - Werden steht im Dienst meines vollen Lebens.
Meditationswort:
"Der Mensch ist der beste, der das entbehren kann, was ihm nicht not tut" (97,27ff).
Bildhafte Hinführung:
Wie oft klammere ich mich noch fest an etwas, das keinen Bestand mehr hat. Ich gleiche oft einem Menschen, der sich am Fensterriegel eines schon brennenden Hauses festklammert, anstatt in das bereitgehaltene Netz zu springen, oder einem Schiffbrüchigen, der das sinkende Schiff nicht loslassen mag, obwohl es ihn in den verderbenden Strudel hineinzieht - oder einem Menschen, der sich an einem schon abfahrenden Zug festklammert, weil er denjenigen, der darin sitzt, nicht loslassen will...
Biblische Grundlage:
"Petrus sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her!" (Mt 14,28f)
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mich lösen möge von falschen Bindungen -
Kontemplation:
"Ja - Vater"... In einem Buch von R. Gräf wird dieses Wort als "Konsekrationswort" bezeichnet, das alles Geschehen, das ich mit diesem "Ja, Vater" von Gott annehme, "konsekriert", d.h. in Gott verwandelt.
Vollständiger Text:
"Der ist viel glücklicher, der alle Dinge entbehren kann und ihrer nicht bedarf, als wer alle Dinge mit Bedürfnis (nach ihnen) im Besitz hält. Der Mensch ist der beste, der das entbehren kann, was ihm nicht not tut" (97,27ff).

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