5.3. Wo ich meine Ich-Bindung an bestimmte Aufgaben loslasse,
kann ich üben, Dir, meinem Gott, durch jedes Tun und jedes Lassen näher zu kommen

Hinführung:
Wieder sagt Meister Eckehart im Blick auf das Tun des Menschen ein Wort, das weit über sich hinausweist und auf andere Bereiche jederzeit übertragbar ist: "Wer recht daran sein soll, bei dem muss je von zwei Dingen eines geschehen: entweder muss er Gott in den Werken zu ergreifen und zu halten lernen, oder er muss alle Werke lassen. Da nun aber der Mensch in diesem Leben nicht ohne Tätigkeit sein kann, die nun einmal zum Menschsein gehört..., darum lerne der Mensch, seinen Gott in allen Dingen zu haben" (63,15ff).Das gilt ebenso für alle anderen Bereiche: Da wir nicht ohne sie leben können, müssen wir lernen, Gott in ihnen zu ergreifen.
Zwei Gedanken sind entscheidend für Meister Eckehart:
1. Es geht weniger um das, was der Mensch tut, als darum, wie er es tut: - um seine innere Gesinnung - um das innere Sein - um den Grund, aus dem die Werke kommen. Denn "die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke (alles, was wir tun) heiligen"(57,17) - "Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht "(57,15).
2. Das rechte Tun sollte "ohne Warum" geschehen - einfach um des Tuns selbst willen, weil auch Tun ein Stück Leben ist - und Leben ganz aus sich selbst lebt. Wo ich um eines äußeren Zieles willen arbeite, bin ich nicht - im Hier und Jetzt - ganz von meiner Mitte aus in meinem Tun darin; und so kann es mir auch selten transparent werden für Gott.
Meditationswort:
"Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten, sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären" (57,12f).
Biblische Grundlage und Gleichnis-Meditation:
"Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum" (Mt 12,33).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, der mir von innen her seine Freude an all meinem Tun schenken möge -
Kontemplation:
Ich suche mit dem "Du" die Wurzel oder die Quelle in mir, aus der all mein Tun herauswächst oder -quillt...
Weitere Textstellen:
"Jegliche Ichgebundenheit an irgendein Werk, das dir die Freiheit benimmt, in diesem gegenwärtigen Nun Gott zu Gebote zu stehen und ihm allein zu folgen in dem Lichte, mit dem er dich anweisen würde zum Tun und Lassen, frei und neu in jedem Nun, als ob du anders nichts hättest noch wolltest noch könntest: - jegliche Ichgebundenheit oder jedes vorsätzliche Werk...(benimmt) dir diese allzeit neue Freiheit, ...denn deine Seele bringt dabei keinerlei Frucht, ohne dass sie das Werk verrichtet hat, das du ichgebunden in Angriff genommen hast, und du hast auch weder zu Gott noch zu dir selbst Vertrauen, du habest denn dein Werk vollbracht, das du mit Ich-Bindung ergriffen hast; sonst hast du keinen Frieden" (160,22ff).

"Mit wem es recht stünde, wem Gott so (eigen) geworden wäre, fürwahr, dem leuchtete Gott ebenso unverhüllt im weltlichen wie im allergöttlichsten Werk" (63,6ff).


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