4.4. Ich überlasse mich dir, "meinem geliebten Gott",
wo immer ich mich von dir im "Nun" verwandeln lasse

Hinführung:
Das "Fortschreiten" auf dem geistlichen Weg ist weithin kein räumlich-lineares Geschehen, wie es sich mit dem Bild des Weges verbindet, sondern es wird übertragen auf eine andere Ebene: Es geht um einen Verwandlungsprozess, der "schrittweise" geschieht: In immer neuen Dimensionen wird der Mensch mehr und mehr in Gott hinein verwandelt. Als "Material" für diese Verwandlungsschritte stellt mir Gott mein konkretes Lebensschicksal, meinen äußeren und meinen inneren Zustand zur Verfügung. Indem ich es annehme, es Gott hinhalte, wie es ist, und - in der Verantwortung vor Gott - darauf reagiere, beginnt der Verwandlungsprozess, der mich in einem lebenslangen Weg zur Fülle Gottes heranreifen lässt. So wachse und reife ich in der Übung des Alltags, im Annehmen und Wahrnehmen des jeweiligen Nun. Jedes Sich - Festklammern an etwas Vergangenem sowie jedes realitätsferne Sich - Hineinträumen in eine Wunschzukunft blockiert den Verwandlungsprozess, den Gott an mir in der Gegenwart vollziehen möchte.
Meditationswort:
"Da Gott so geringwertige Dinge in sich verwandelt, was glaubt ihr wohl, dass er mit der Seele tut, die er mit dem Bild seiner selbst ausgezeichnet hat?" (167,24ff)
Bildhafte Hinführung:
Für die allmähliche Verwandlung des Menschen in Gott hinein braucht Meister Eckehart ein anschauliches Bild: "Wenn das Feuer seine Wirkung tut und das Holz entzündet und in Brand setzt, so macht das Feuer das Holz ganz fein und ihm selbst ungleich und benimmt ihm Grobheit, Kälte, Schwere und Wässerigkeit und macht das Holz sich selbst, dem Feuer, mehr und mehr gleich; jedoch beruhigt, beschwichtigt noch begnügt sich je weder Feuer noch Holz bei keiner Wärme, Hitze oder Gleichheit, bis dass das Feuer sich selbst in das Holz gebiert und ihm seine eigene Natur und sein eigenes Sein übermittelt, so dass es alles ein Feuer ist, beiden gleich eigen, unterschiedslos ohne Mehr oder Weniger. Und deshalb gibt es, bis es dahin kommt, immer ein Rauchen, Sich - Bekämpfen, Prasseln, Mühen und Streiten zwischen Feuer und Holz. Wenn aber alle Ungleichheit weggenommen und abgelegt ist, so wird das Feuer still und schweigt das Holz" (117,28).
Biblische Grundlage:
Ich stelle mir eine Szene aus dem Evangelium vor das innere Auge, in der die Krankheit eines Menschen durch den Blick, durch das Wort oder durch die Berührung Jesu Christi verwandelt wird - und ich lasse das gleiche an mir geschehen...
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, dessen verwandelnder Kraft ich mich jetzt aussetze -
Kontemplation:
Ich versuche, die verwandelnde Liebe Gottes mir nicht nur vorzustellen, sondern sie im Grunde meiner Seele zu berühren - mich von ihr berühren und verwandeln zu lassen: "Du"...
Vollständiger Text:
"Es geschieht so: Was immer zu Gott kommt, das wird verwandelt; so geringwertig es auch sei, wenn wir es zu Gott bringen, so entfällt es sich selbst... Es wird in göttliche Natur versetzt, denn göttliche Natur ist so kräftig, dass, was immer darein gegeben wird, entweder vollkommen darein versetzt wird oder gänzlich draußen bleibt. Nun vernehmt mit Staunen! Da Gott so geringwertige Dinge in sich verwandelt, was glaubt ihr wohl, dass er mit der Seele tut, die er mit dem Bild seiner selbst ausgezeichnet hat?" (167,24ff).

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