3.7. Weil deine Liebe mich meint, mutest du mir die eigene, freie Verantwortung für mein Leben zu
Hinführung:
Nicht nur die Psychologen wissen darum, dass es einen Punkt im Leben gibt, wo der Mensch die Verantwortung für sein eigenes Leben selbst übernehmen muß: Manche Worte Jesu können in uns ein tiefes Erschrecken auslösen: Da sind Forderungen, welche allzu hart erscheinen - oder es sind Worte über den Zorn Gottes, die uns verunsichern und erschrecken. Mir und vielen anderen war es in einem Kurs über biblische Meditation eine große Hilfe, dass uns die Sicht aufgezeigt wurde: man dürfe eigentlich alle Forderungen Jesu besser als "Herausforderungen" sehen, in denen er uns lockt, unsere eigenen höchsten Möglichkeiten zu finden. In unserem Bergbild hieße das: Gott möchte, dass ich wirklich die "hohen Gipfel" anstrebe und mich nicht aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus in den Niederungen festsetze. Ich könnte mich selbst um die wertvollsten Gipfelerfahrungen bringen, wenn ich nicht wage, die Gipfel selbst zu erklimmen.

Und was den "Zorn" Gottes anbelangt - so wissen wir heute viel über die Projektionen eines schlimmen Vaterbildes, die sich auf Gott übertragen haben können. Solche Projektionen zerstören unseren Glauben, und es ist wichtig, sie zu durchschauen. Aber - wenn wir überhaupt nicht mehr vom Zorn Gottes zu reden wagen - sind wir da nicht in Gefahr, auch eine entscheidende Dimension der Bibel zu verlieren, die Dimension der Heiligkeit Gottes, die uns zur Entscheidung fordert, in der es um Leben und Tod gehen kann? Von Meister Eckehart hörten wir einzigartige Worte über die Liebe Gottes. Aber gerade er kann auch vom Zorn Gottes reden: "Warum zürnt Gott?", fragt er. Doch seine Antwort führt uns auf eine neue Ebene: "Um nichts anderes als um den Verlust unserer eigenen Seligkeit; so leid ist es Gott, dass wir unserer Seligkeit zuwiderhandeln" (335,31ff). Auch in seinem "Zorn" wird er durch nichts anderes bewegt als durch seine Liebe zu mir! Ich habe als Mensch die Entscheidungsfreiheit, die mich fähig macht, meine Möglichkeit zu ergreifen oder auch zu versäumen. Aber Gott "zürnt", ihn schmerzt es, wenn ich mich verschließe und mich seiner Liebe entziehe!

Meditationsworte:
"Es gibt Leute, die wissen nicht, was Gott ist, und doch glauben und wähnen sie zu leben" (202,29ff).

"Wir sind die Ursache aller unserer Hindernisse."

Naturale Meditation:
"Der Mensch, der von inwendigen Dingen nichts gewöhnt ist, der weiß nicht, was Gott ist. Wie ein Mann, der Wein in seinem Keller hat, aber nichts davon getrunken noch versucht hätte, der weiß nicht, dass er gut ist" (202,29ff).
Biblische Grundlage:
"Ergreife das ewige Leben, dazu du berufen bist" (1 Tim 6,12).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, vor dem ich verantwortlich bin für mein Leben -
Kontemplation:
"Dein Same in mir" - "braucht einen guten Gärtner"... (Wiederholungsgebet)
Vollständiger Text (zur Kontemplation):
"Der Same Gottes ist in uns. Hätte er einen guten, weisen und fleißigen Ackerer, so würde er um so besser gedeihen und wüchse auf zu Gott, dessen Same er ist, und die Frucht würde gleich der Natur Gottes. Birnbaums Same erwächst zum Birnbaum, Nußbaums Same zum Nußbaum, Same Gottes zu Gott (vgl.1 Joh 3,9). Ist's aber so, dass der gute Same einen törichten und bösen Ackerer hat, so wächst Unkraut und bedeckt und verdrängt den guten Samen, so dass er nicht ans Licht kommt noch auswachsen kann" (142,6ff).

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