2.5. Mein Gott, ich kann dich in allen Dingen erkennen
Hinführung:
Obwohl sich Gott in seiner Unbegreiflichkeit eigentlich jeder menschlichen Erkenntnis entzieht, will Gott vom Menschen erkannt und geliebt werden. Dazu hat er die "Dinge", die "Kreaturen" erschaffen. Damit meint Meister Eckehart schlechthin alles, was sinnenhaft faßbar und erlebbar ist: angefangen von einer Kuh bis hin zum inneren Zustand der Seele. Daß Gott sich zu erkennen gibt, ist entscheidend wichtig, denn das Erkennen ist Grundlage der Liebe: "Das Erkennen... leitet die Liebe"(238,5f). Deshalb "schmilzt Gott aus" - damit wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten etwas von Gott wissen können. Er fließt hinein in die Kreaturen, welche "Fußspuren Gottes" sind - noch mehr: Gott ist wahrhaft in allem, was ist, zu finden. (Ohne diesen fundamentalen Gedanken Meister Eckeharts wäre seine ganze Leidensmystik unverständlich) Damit das aber geschehen kann, muß der Mensch "lernen, die Dinge zu durchbrechen und seinen Gott darin zu ergreifen". Das erfordert Fleiß und große Mühe: "Vergleichsweise so wie einer, der schreiben lernen will. Fürwahr, soll er die Kunst beherrschen, so muß er sich viel und oft in dieser Tätigkeit üben, wie sauer und schwer es ihm auch werde und wie unmöglich es ihn dünke: will er's nur fleißig üben und oft, so lernt er's doch und eignet sich die Kunst an. Fürwahr, zuerst muß er seine Gedanken auf jeden einzelnen Buchstaben richten und sich den sehr fest einprägen. Späterhin, wenn er dann die Kunst beherrscht, so bedarf er der Bildvorstellung und der Überlegung gar nicht mehr, und dann schreibt er unbefangen und frei" (61,19f.21ff).
Meditationswort:
"Nimm Gott in allen Dingen, denn Gott ist in allen Dingen."
Naturale Meditation:
"Alle Kreaturen sind ein Fußstapfe Gottes" (425,18f).

Ich meditiere das Symbol der Fußspur - Dinge der Schöpfung als "Fußspuren Gottes"...

Biblische Grundlage:
"Gottes unsichtbares Wesen... wird... ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt" (Röm 1,19f).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, den ich in allem, was mir begegnet, ergreifen möchte -
Kontemplation:
"Du" - Ich verweile vor einem "Bild", welches mir gerade vor Augen steht, um "es zu durchbrechen und meinen Gott darin zu ergreifen"...
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Könnte sie (= die Seele) Gott erkennen ohne die Welt, so wäre die Welt nie um ihretwillen geschaffen worden. Die Welt ist um ihretwillen zu dem Ende gemacht worden, dass der Seele Auge geübt und gestärkt werde, auf dass sie das göttliche Licht aushalten könne" (295,14ff).

"Nimm Gott in allen Dingen, denn Gott ist in allen Dingen... Gott hat alle Dinge geschaffen, nicht, dass er sie werden ließ und dann seines Weges gegangen wäre, sondern: er ist in ihnen geblieben" (358,3ff).

"Gott ist in allen Kreaturen gleich 'nahe'...so dass man ihn in einer jeglichen finden und erkennen kann, wenn man's nur wahrhaben will... Der erkennt Gott recht, der ihn in allen Dingen gleicherweise erkennt" (324,16ff).


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