2.1. Mein Gott, du bist über all unser Denken erhaben
Hinführung:
Eine unserer Töchter hatte eine Zeitlang die Angewohnheit, bei Meinungsverschiedenheiten auf Erklärungen von uns Eltern mit der lapidaren Feststellung zu reagieren: "Das verstehe ich nicht!!" Auf alle weiteren Erklärungsversuche folgte diese gleiche Antwort, und wir Eltern standen dem ziemlich hilflos gegenüber. Schien doch alles weitere Reden sinnlos.

Ob es nicht Gott mit uns manchmal ähnlich geht?...

Es ist wohl eine besondere Versuchung, dass wir Menschen so oft meinen, Gott nach unseren augenblicklichen Erkenntnissen beurteilen zu können. Merken wir es noch, wie häufig wir denken, Gott müsse sich nach unseren menschlichen Vorstellungen - von Gerechtigkeit und ähnlichem - richten? Und wenn wir meinen, dass er das nicht tut, werfen wir schnell unseren Glauben überhaupt über Bord. Aber erleben wir nicht auch immer wieder, wie begrenzt und zeitgebunden diese Vorstellungen sind? Ziehen wir Gott damit nicht zu sehr auf unser menschliches Niveau herab und wundern uns dann, wenn uns das Geheimnis verlorenzugehen droht, von dem allein die menschliche Seele wahrhaft leben kann?

Meditationswort:
"Der Mensch kann Gott niemals erfassen im Meer seiner Unergründlichkeit"
Naturale Meditation:
"Himmelsau, licht und blau, wieviel zählst du Sternlein?
Ohne Zahl, soviel mal, soll mein Gott gelobet sein.

Gottes Welt, wohl bestellt, wieviel zählst du Stäublein?
Ohne Zahl...

Sommerfeld, uns auch meld, wieviel zählst du Gräslein?
Ohne Zahl...

Dunkler Wlad, grün gestalt', wieviel zählst du Zweiglein?
Ohne Zahl...

Teifes Meer, weit umher, wieviel zählst du Tröpflein?
Ohne Zahl...

Sonnenschein, klar und rein, wieviel zählst du Fünklein?
Ohne Zahl...

Ewigkeit. lange Zeit, wieviel zählst du Stündlein?
Ohne Zahl, soviel mal, soll mein Gott gelobet sein."(EG 507)

Ich lasse mich auf den Versuch ein, mich über verschiedene Symbole an das Geheimnis der Ewigkeit heranzutasten...


Biblische Grundlage:

Nachdem er einen Blick in Gottes Macht und Herrlichkeit getan hatte, sagte Hiob: "Ich hatte von dir mit den Ohren gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen" (Ijob/Hiob 42,5).
Wiederholungsgebet:
- Mein Gott, den ich nie mit meinem Verstand erfassen kann -
Kontemplation:
"Du großer Gott" (ausatmen) - (Pause) - "ich kleiner Mensch" (einatmen) - oder in diesem Sinne bei dem "Du" bleiben.
Vollständiger Text - Weitere Textstellen:
"Die Vernunft nimmt Gott so, wie er in ihr erkannt wird; sie kann ihn aber niemals erfassen im Meer seiner Unergründlichkeit" (190,12ff).

"Gott ist weder dies noch das... Wer da glaubt, dass er etwas von Gott erkannt habe, und dabei irgend etwas erkennen würde, der erkennte Gott nicht" (196,22ff).

"Hätte ich einen Gott, den ich erkennen könnte, ich würde ihn nimmer für Gott ansehen" (353,37ff).

"Nun sagt ein Meister von der ersten Ursache, dass sie über das Wort erhaben sei. Die Unzulänglichkeit liegt in der Sprache. Es kommt von der Überschwenglichkeit der Lauterkeit seines (= Gottes) Seins... Das, worin die Seele Gott ausspricht, birgt doch in sich nichts von der eigentlichen Wahrheit seines Seins; es kann von Gott niemand das im eigentlichen Sinne aussagen, was er ist..." (242,14f).


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