1.2. Du willst dich von mir finden lassen, wenn ich nicht nur "über" dich nachdenke, sondern dir mehr und mehr gleich werde
Hinführung:
Ein ganz zentrales Thema Meister Eckeharts wird heute angesprochen: das Thema der Verwandlung. Wir werden im Laufe dieses Kurses immer wieder darauf zurückkommen. Wer von uns hat es noch nicht erlebt: durch ein bestimmtes Geschehen im Leben, welches einen inneren Reifungsprozess in Gang brachte, beginnen plötzlich Bibelworte - längst bekannt - ganz neu zu leuchten. Es gehört zu den grundlegenden Weisheiten der Mönchsväter, dass die Grundvoraussetzung für das Verstehen der Geheimnisse Gottes ein Leben nach dem Worte Gottes ist. Das Tun einer Wahrheit löst in uns einen Verwandlungsprozess aus. Niemals können wir die Geheimnisse Gottes nur mit unserem Verstand, auf der Ebene unseres Intellektes erfassen. Wir müssen uns auf eine neue Ebene führen lassen, wenn wir uns der Wahrheit Gottes nahen wollen. Das aber geschieht durch eine sich immer tiefer vollziehende innere Verwandlung des Menschen, die eine Angleichung an das Wesen Gottes zum Ziel hat: der Mensch soll wesentlich, das meint: gottähnlich werden, sagt Meister Eckehart. So stellt er den vielen Leuten, die seine Rede unverständlich fanden, das Wort entgegen: "Solange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, solange wird er diese Rede nicht verstehen. Denn es ist eine unverhüllte Wahrheit, die gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar" (309,9ff).


Meditationswort:

"Solange der Mensch dieser Rede nicht gleicht, wird er diese Rede nicht verstehen."
Lebensmeditation:
Ich versuche, in meinem eigenen Leben dem nachzuspüren, wo mir Liebe und Vertrauen eine neue Art des Verstehens ermöglichten...
Biblische Grundlage:
"Wenn jemand dessen (des Vaters) Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst rede" (Joh 7,17).

Dieser Satz Jesu ist mir schon oft nachgegangen: Es geht nicht um ein intellektuelles Verstehen seiner Lehre, sondern: indem ich mich tuend auf das einlasse, was er sagt, finde ich mich auf einer neuen Ebene vor, wo ich nicht mehr mit dem "Kopf", sondern existentiell verstehe, was er meint und welchen Wert es hat.

Wiederholungsgebet:
- Vater, der du den Wunsch hast, mich mehr und mehr in dich zu verwandeln -
Kontemplation:
Ich versuche, mich bei jedem Ausatmen dem unergründlichen Geheimnis Gottes hinzuhalten, damit ich Gott selbst die Möglichkeit gebe, mich mehr und mehr in sich zu verwandeln und mich sich anzugleichen: Dabei kann ich meine Aufmerksamkeit wieder an die Worte binden: "Du"... (oder "Jesus") ...
Weitere Textstelle:
Der Mensch soll "von göttlicher Gegenwart durchdrungen und mit der Form seines geliebten Gottes durchformt und in ihn verwesentlicht sein, so dass ihm sein Gegenwärtigsein ohne alle Anstrengung leuchte" (61,36ff).

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