Karin Johne
Adventsmeditationen
Woche 4
Freitag

Ich habe den Auftrag, das "Kind" vor äußeren und inneren Gefahren zu schützen.


 
Gebet
Abschluß
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Leben
Abschluß

Die Gefahr für das Kind durch das Leben in der Fremde.

Hinführung
Die Familie bekam vom Engel den Auftrag, nach Ägypten zu fliehen. Zwei Jahre sollten sie dort ausharren - in einem fremden Land, unter Menschen mit fremder Sprache - einer fremden Kultur und einer Hochreligion, deren Reichtum wir erst in heutiger Zeit langsam entdecken.

Dort verlebte das Kind - nach dem Matthäusevangelium - seine zwei ersten Lebensjahre. Sie sind prägend für das ganze weitere Leben.

Auch die „Flucht nach Ägypten" ist solch ein menschliches Urbild, von den Künstlern immer wieder aufgenommen und gestaltet, - gewiß deshalb, weil sie sich selbst und viele menschliche Schicksale darin wiederfanden.

Es gibt also auch im Leben eine legitime Flucht, wenn das Kostbarste bedroht ist. Es gibt die Flucht auf Weisung des Engels, - aber es gibt eben auch eine nicht erlaubte Flucht vor Schwierigkeiten, an denen mein Leben wachsen und reifen sollte. Wo ist das Kriterium der Unterscheidung zwischen den beiden Möglichkeiten?

Wie viele Menschen in der ehemaligen DDR mögen sich dieser Frage gestellt haben - und haben durchaus unterschiedlich entschieden: Dem Sprechchor vor der Leipziger Nikolaikirche: „Wir wollen raus!" stellte sich bald eine andere Gruppe entgegen, welche rief: „Wir bleiben hier"! Auf solche Fragen gibt es keine objektiv richtige oder objektiv falsche Antwort. Das muß jeder für sich selbst entscheiden. (Was nicht heißt, daß dabei nicht auch häufig Fehlentscheidungen vorkommen werden!)

Für die junge Familie in Bethlehem war damals die Flucht die einzig mögliche Entscheidung, um das Kind zu retten. Aber auch die Heimkehr war dran, sobald es möglich war. Und gerade in der Fremde war es ihre Aufgabe, das kostbare Kind nicht nur äußerlich vor Gefahren zu schützen, sondern ihm auch innerlich seine Heimat zu bewahren - vor jeder heidnischen Überfremdung.

Auch hier wieder mögen die Exegeten um die historische Wahrheit dieser Erzählungen streiten - wir dürfen uns getrost an die Bilder halten, die uns das Evangelium vor Augen stellt, um selbst daran zu wachsen und unser „Kind" zu bewahren. Für mich selbst - durch das Studium und die damalige kritische Exegese geschädigt - war es wie ein neuer Einbruch, als mir bewußt wurde, daß ich diese Geschichte der Flucht nach Ägypten nicht einfach als unwissenschaftlich beiseite zu lassen brauchte, sondern daß mir auch die Bilder dieser Erzählung Wesentliches für mein geistliches Leben zu sagen hatten.

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Wiederholungsgebet
- „Nimm das Kind" -
- „und flieh"
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Leben
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Abschluß:
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