Karin Johne
Adventsmeditationen
Woche 4
Dienstag

Ich habe den Auftrag, das "Kind" vor äußeren und inneren Gefahren zu schützen.



Gebet
Abschluß
  Hinführung
Gebet
Leben
Kunst
Abschluß

Die Gefahr für das Kind durch die politische Lage im Lande.

Hinführung
Oft sind es äußerst schwierige äußere Umstände, welche uns so fordern, daß eigentlich kein Raum mehr zu bleiben scheint für unser geistliches Leben, für das „Kind in uns".

Was mag die verordnete Volkszählung mit ihrer angeordneten Bewegung der Menschenmassen in Maria und Joseph ausgelöst haben! „Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte." Unser Ja zu Gott und seinem Weg mit uns ist kein einmaliges Ja, sondern es muß immer neu gesprochen werden in immer neuen Situationen. Wie gut ist es, daß das „Kind" sein Eigenwachstum entfaltet - und unbeirrt durch alle Schwierigkeiten - zu seiner rechten Zeit auf die Welt kommt.

Und dennoch ist es gerade jetzt auf das neue Ja der Eltern angewiesen. Wir wissen heute allzu gut, wie stark negative Emotionen der werdenden Mutter sich auf das Kind auswirken können!.

Gibt es nicht gerade heute für so viele Menschen äußere Umstände, die ein geistliches Leben, die Zeit für das Gebet, Zeit für Gott oder auch für den Mitmenschen als unerlaubten Luxus empfinden? In ruhigen Zeiten meint man, vielleicht hin und wieder Zeit für Gott zu haben - aber in unserer Situation ist das doch nicht möglich! ?

Hier zeigt sich oft in einer unüberhörbaren Weise, ob ich dem „Kind" wirklich die Mitte meines Lebens einräume - oder ob ich es nur als Pflegekind aufnehme, solange es die äußeren Umstände erlauben.

Das wahre „Kind" wird oft gerade in solchen äußerst belastenden Situationen „zur Welt kommen" - sich seinen Weg schaffen. Nie in meinem Leben habe ich die Kirchen so voll erlebt, die Mitfeier der Oratorien der Thomaner so intensiv erfahren, wie in der unmittelbaren Notzeit des Nachkrieges. Halbe Nächte lang haben die Menschen angestanden, um eine Karte für das Weihnachtsoratorium zu erhalten, das sie dann in einer kalten, fensterlosen Kirche mitbeteten... Niemals wurden während meines Lebens die Lieder und Gedichte von Jochen Klepper und Reinhold Schneider tiefer ins Herz aufgenommen als damals... Nun braucht es gottlob keinen Krieg, um solche Gnadengeschenke zu erfahren!

Die Gefahr aller Notsituationen aber ist es immer; den Blick nur auf das äußere Überleben zu richten - und gerade das „Kind" dabei zu vernachlässigen. Und vielleicht könnte es kaum je leichter in ein Herz eintreten und dort zum vollen Leben geboren werden, als mitten in einer Not, in der die äußeren Werte ihren Glanz verlieren - und damit den Weg freigeben für die wahren, bleibenden Werte im Menschenleben.
 

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Wiederholungsgebet
- „Dein Licht" -
- „leuchtet in der Finsternis"...
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Leben
Ich frage vor Gottes liebendem Angesicht in mein Leben hinein, durch welche schweren, dunklen Ereignisse (die Sünde nicht ausgenommen) ich mich von Gott (scheinbar!) trennen ließ - und durch welche ich Gott nähergekommen bin...
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Wortmeditation
 
„Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages"

heißt ein Meditationsband von Jörg Zink. Der Titel nimmt den in der Bibel begründeten Gedanken auf, daß Gott in der Mitte der Nacht zur Welt kam. Gott kam in diese Welt: mitten in der dunklen Nacht, in der Armut, in der Fremde, unter unwürdigsten Umständen...

Es lohnt sich, darüber eine zeitlang still zu werden und dem nahzusinnen...

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Abschluß:
Abschluß wie am Sonntag mit der Hirtensymphonie und im Blick auf das Weihnachtsbild, welches mich erinnert, daß ich und "mein Kind" in allen Gefährdungen in wie in einer gütigen Hand geborgen sind.

Gut ist es immer, sich die Worte des Wiederholungsgebetes noch einmal zurückzurufen, damit es vielleicht dann den Tag über oder in der Nacht in mir "weiterbetet", ohne daß ich es vom Willen her steuern müßte.

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