Karin Johne

Zum Umgang mit Dunkelheiten - 
Einige Gedanken zu Lukas 11, 14 - 23
1


Überblick:
1. Was ist geschehen?
2. Was tut Jesus?
3. Welche Sicht zeigt uns Jesus auf?
a. Jesus setzt die Existenz widergöttlichen Mächte voraus.
b. Jesus macht sich Gedanken über diese Wirklichkeiten.
1. Das Bild des Königreiches.
2. Das Bild des Fürstenhofes.
3. Das Bild vom Finger Gottes.
4. Wie wird der Kampf gekämpft?
a. Jesus kämpft nicht auf ganzer Front.
b. Dieser Kampf ist nicht Jesus allein vorbehalten.
c. Dieser Kampf hat verschiedenen Gesichter.
5. Wie gehen wir heute mit dem Bild des Kampfes und Krieges überhaupt um?

Es gibt eine uralte Weisheit, die lautet: "Wo Gott nahe, ist, da ist auch der Teufel nicht weit". So tief ist das innere Wissen um diese Wirklichkeit im Menschen verankert, dass schon in dem weitverbreiteten Kinderspiel, "Himmelhupfen" genannt, das Kind lernt, dass es die schmale Gefahrenzone der "Hölle" erst überspringen muss, um in den "Himmel" zu gelangen.

Wo wir offen sind für Gott, sind wir gleichzeitig auch geöffnet und gefährdet durch widergöttliche Mächte, mögen wir sie nennen, wie wir wollen. Unser Leben steht in einem Umfeld, wo positive und negative Impulse auf unsere innere Befindlichkeit einwirken und dort kräftige Resonanz hervorrufen - meistens, ohne dass wir das wirklich wahrnehmen 2. Da schießen plötzlich Gedanken ein, oft gerade dann, wenn wir einmal innerlich zur Ruhe kommen wollen: - Kommen sie aus mir selber? Kommen sie von Gott? Oder kommen sie aus einem anderen, mit unheimlichen Bereich?

Oder: Ich muss eine Entscheidung fällen: Eigentlich weiß ich genau, was "es" in mir will - aber ist dieser Wille meinem unerlösten Eigenwillen zugeordnet, diesem Ego-Willen, vor dem alle geistlichen Meister so dringend warnen - oder kommt dieser Wille wirklich aus meinem tiefsten Zentrum, wo in und durch meinen Willen hindurch der Wille Gottes für mein Leben erfahrbar wird?... Fragen, die in jedem bewussten geistlichen Leben, während Meditationskursen und Einkehrtagen immer wieder existentiell werden - und nach Antworten suchen.

In meine Freiheit ist es gegeben, diese Impulse zu unterscheiden, ich kann - wie Luther sagt - die Vögel nicht hindern, über meinen Kopf zu fliegen, aber ich kann sie daran hindern, dort Nester zu bauen. Ich kann solche Gedanken und Willensregungen entweder zulassen und annehmen - oder ich kann sie, nachdem ich sie erkannt habe, auch abweisen. Abweisen ist etwas anderes als das gefährliche Verdrängen, wobei etwas in mir so schnell als möglich zu vergessen sucht, was sich da gemeldet hat! Aber was darf ich zulassen - und was muss ich abweisen? Um das zu unterscheiden, muss ich etwas üben, was in der Christenheit seit ihren Anfängen zu den Grundbestandteilen spiritueller Daseinsbewältigung gehört: - "Die Übung der Unterscheidung der Geister". Wer weiß davon heute überhaupt noch etwas?

Schauen wir uns unter dieser Fragestellung einen Bibeltext an, der - obwohl er im Lukasevangelium steht - zu den weniger bekannten Texten des Neuen Testamentes gehört: Lukas 11, 14 - 23.

1. Was ist geschehen?

Wenn ich den Text im griechischen Urtext lese, dann springt mich schon der erste Satz an und nimmt mir fast den Atem: "Jesus war gerade dabei, Dämonen auszutreiben". Es ist die gleiche Partizipialform gewählt, mit der an anderer Stelle steht, dass er dabei war, im Lande umherzuziehen, - oder wie wir vielleicht von jemandem sagen würden: "Er war gerade beim Kirschenpflücken". So war Jesus dabei, Dämonen auszutreiben! Und da war ein stummer Mensch, von dem wir nur erfahren, dass Jesus solch einen "Dämon" von ihm austreibt - und plötzlich redet der Stumme. Es ist nicht einmal klar, wer eigentlich stumm ist - der Mann oder der "Dämon"?

Aber vielleicht ist das auch gar nicht so genau zu unterscheiden. Wir wissen alle, wenn wir wahrhaftig und in der Realität zu leben versuchen, dass wir in uns selbst manche dunklen Bereiche haben. Ab und zu erschrecken wir davor, was da manchmal so urplötzlich aus uns hervorbricht, was wir nicht für möglich gehalten hätten! Diese dunklen Bereiche in uns passen so gar nicht zu dem Bild, das wir von uns selbst haben - und deshalb mögen wir sie lieber gar nicht wahrnehmen. Wir "verteufeln" sie - wir verbieten ihnen das Wort, versagen ihnen jede Äußerungsmöglichkeit, bis es ihnen schließlich "die Sprache verschlägt" - und sie "verstummen". Aber damit sind sie nicht wirklich ausgeschaltet - sie treiben nur in der Verborgenheit, auch vor uns selbst, ihr ungutes Wesen weiter, nur noch boshafter, noch giftiger - weil sie nicht mehr reden dürfen und dadurch vom normalen Leben abgeschnitten sind. Unverhofft, zutiefst erschreckend, bricht dann manchmal etwas ans Licht von dem, was wir verdrängt haben, weil es nicht zu unserem Selbstbild zu passen scheint.

Vielleicht ahnen wir jetzt einen verborgenen Zusammenhang zwischen der "Verteufelung" und der "Stummheit" eines "Dämons". Und wir brauchen uns nicht daran zu stoßen, wenn diese dunklen Seiten oft in der Christenheit als "Dämonen" bezeichnet wurden - haben wir bessere, gültigere Worte dafür - wenn wir schon überhaupt darüber zu sprechen versuchen 3 ?

Von hier aus dürfte uns auch der stumme Besessene gar nicht mehr so fremd sein. Vielleicht unterscheidet er sich von uns nur dadurch, dass in seinem Leben die dunklen, verteufelten Seiten nicht nur einige Stellen, sondern mehr und mehr den gesamten Raum seines Lebens eingenommen hatten; so dass wir nicht mehr zu fragen brauchen, wer eigentlich stumm war, der Mann oder seine Dunkelheiten.

2. Was tut Jesus?

Wir hören von keiner spektakulären Handlung Jesu - sondern nur die schlichte Bemerkung, dass der Mann seine Sprache wiedergefunden hat. Und das muss so ein deutliches, aufregendes Zeichen gewesen sein, dass sich eine lange theologische Diskussion daran anschließt. Aber bleiben wir kurz noch einmal bei dem, was Jesus getan haben mag - wir wissen es aus anderen Geschichten, wie er mit den "Dämonen" umging - er sprach sie an, er fragte sie nach ihrem Namen (und damit nach ihrer Identität).

Vielleicht ahnen wir auch hier ein wenig, was da geschehen ist, wenn wir einmal versuchen, mit unseren Dunkelheiten anders umzugehen: Wenn wir eine dunkle Stelle in uns, die wir eigentlich nicht wahr haben möchten, die aber dennoch vorhanden ist, einmal nicht zur Sprachlosigkeit verurteilen würden - sondern wenn wir auch einmal versuchten, mit diesem "Dämon" zu sprechen: Dazu müssen wir ihn erst einmal anschauen, vielleicht ziemlich lange - ehe wir ihn vielleicht fragen: Was willst du eigentlich von mir?... Woher kommst du?... Weshalb bist du so bösartig?... Hast du nicht vielleicht irgendwann einmal auch etwas Gutes gewollt - aber weil ich dich so verteufelt habe, hast du das ganz vergessen, und bist dadurch wirklich für mich zum "Teufel" geworden?...- Und es kann geschehen, dass der "Verstummte" dann zu "sprechen" beginnt - vielleicht hat er mir etwas ganz Wichtiges zu sagen?? Doch dazu muss ich auch wirklich hinhören und mir dazu Zeit nehmen.

3. Welche Sicht zeigt uns Jesus auf?

Schauen wir wieder auf das, was da geschehen ist - und versuchen wir, uns nun dem Hintergrund zuzuwenden, der diese ganze Geschichte trägt.

a. Jesus setzt die Existenz widergöttlichen Mächte voraus.
Mir fällt auf, mit welcher fraglosen Selbstverständlichkeit Jesus voraussetzt, dass es widergöttliche Mächte gibt. Gerade sein Leben wird ja von Anbeginn von diesem Umfeld umgriffen: Das neugeborenen Kind, von dem die Engel zeugen, auf das die bestimmten Sternkonstellation hinweist, wird gleichzeitig von der Grausamkeit eines Herrschers, eines unmenschlichen Herrschers tödlich bedroht. Nachdem Jesus den geöffneten Himmel erlebt hat mit der einzigartigen Zusage, dass er Gottes geliebter Sohn ist, wird er "vom Geist in die Wüste geschleudert" - und ist dem Versucher hautnah ausgesetzt. Und während er am Ende seines irdischen Lebens selbst davon spricht, dass dies "die Stunde der Finsternis" ist, erlebt er in seiner tiefsten Angst den "Engel", der ihn in Gethsemane stärkt. Und alles mündet dann in das Zentralgeheimnis unseres christlichen Glaubens: dem Paschageschehen von Tod und Auferstehung, in dem sich Himmel und Erde berühren.
b. Jesus macht sich Gedanken über diese Wirklichkeiten.
Jesus lebt nie ein weltabgewandtes Leben, sondern er stellt sich voll auf die Realitäten ein, die er erlebt und erfährt - und versucht, sie in sein Weltbild einzuordnen:
1. Das Bild des Königreiches.
Er, der von Anbeginn seines Wirkens vom nahen Gottesreich spricht, der versucht, dieses Reich Gottes den Menschen nahe zu bringen, damit sie darin wohnen können - er erlebt, dass dieses Reich auf Grenzen stößt. Und so muss er erlebt und erfahren haben, dass neben diesem Gottesreich sich ein anderes Reich ausbreitet, das "Königreich des Satans". Er setzt die Existenz dieses Reiches voraus, wenn er argumentiert, dass es nicht möglich ist, dass er selbst in der Kraft dunkler Mächte die Dämonen austreiben kann - sonst würde ja dieses Reich in sich selbst zusammenfallen. Wie genau wissen wir heute, dass "ein Haus über das andere fällt", wenn ein Land in sich selbst Bürgerkrieg zulässt!
2. Das Bild des Fürstenhofes.
Und Jesus gebraucht ein weiteres Bild, das auch eine Verkehrung eines kostbaren Bildes des Alten Testamentes ist: Er spricht von der "Burg", dem "Palast", dem "Hof" des Feindes. Sicher hat sich auch dieses Bild aus der Wirklichkeit für ihn ergeben, die ihm zeigte, dass neben der "Burg", als die der lebendige Gott Israels von seinem Volk immer wieder gepriesen wird, der fest bewachte Palast des Feindes steht, in dem er sich verschanzt.
3. Das Bild vom Finger Gottes.
Aber Jesus muss noch etwas anderes gespürt haben, was er in der Begegnung mit diesen dunklen Gewalten erlebt hat: Er muss etwas davon erlebt und erfahren haben, dass er in sich selbst eine Kraft hatte, die stärker war als diese feindlichen Gewalten. Er erlebt in ungezählten Augenblicken, dass er mit dieser Kraft die Grenzen des feindlichen Reiches überschreiten, dass er mit dieser Kraft in die Mauern der feindlichen Burg einbrechen konnte: "Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, dann ist ja das Reich Gottes schon zu euch gekommen" (V.19). So tief ist für ihn diese Erfahrung, dass er sie als klaren Beweis verwendet, der eigentlich jeden überzeugen müsste!

4. Wie wird der Kampf gekämpft?

a. Jesus kämpft nicht auf ganzer Front.
Aber mit dieser Macht, die er in sich spürt, läge nun die Versuchung für ihn nahe, seinen ganzen Wirkungsbereich systematisch daraufhin durchzukämmen, wo sich solche dunklen Mächte verborgen halten könnten, um sie alle ans Licht zu holen und ihre Macht zu vernichten. Wie tief liegt in jedem von uns auch die Frage, weshalb er das nicht getan haben mag.

Schauen wir zu, wie er vorgeht: Er sucht nicht die Dunkelheiten auf, sondern dort, wo sie ihm begegnen, dort nimmt er den Kampf auf. Und dort, wo ein Mensch sich mit seinen Dunkelheiten in seine Nähe begibt, dort hat solch eine Mensch bereits eine Grenzzone betreten - dort ist die "Grenze des Reiches" sehr unbewacht - dort ist eine Schwachstelle in den "Mauern des Palastes". Und an dieser konkreten Schwachstelle bricht Jesus mit seinem Heil ein in die so fest in sich gefügte Macht des Gegners. Und da passiert etwas Merkwürdiges: Wenn Jesus dort, wo alles in einer festgefügten Ordnung "unheil" ist, nur ein kleines Stück dieser Wirklichkeit heil macht, dort bringt er die ganze in sich gefügte Ordnung des Unheils durcheinander. Wo auch nur etwas in diesem Chaos des Unheils heil wird, dort stimmt das gesamte Gefüge des Widersachers nicht mehr. Genau hier geschieht etwas von dem, was Jesus zu Anfang nennt: dort bricht dieses Reich in sich zusammen!

b. Dieser Kampf ist nicht Jesus allein vorbehalten.
Auch hier wieder kann es nur verwundern, mit welcher Selbstverständlichkeit Jesus seine Gegner fragt, in welcher Kraft ihre Kinder wohl die Dämonen austreiben. Er nimmt diese Kraft, gegen das Dunkle zu kämpfen, in keiner Weise für sich allein in Anspruch! Wir alle haben die Kraft in uns, "Dämonen austreiben zu können", den Kampf gegen das Dunkle in uns und um uns her nicht nur kämpfen, sondern auch gewinnen zu können!

Aber lernen wir von ihm, dass auch wir diesen Kampf niemals führen können, wenn wir uns in einen Radikalangriff stürzen, der restlos alles Dunkle in uns und um uns vernichten wollte. Wer meinte, mit der Zeit alles Böse in sich ausrotten zu können, hat wahrscheinlich noch nie wahrhaft in sein inneres Inferno geschaut - weil der Anblick wirklich unerträglich ist. Die Folge wäre nur, dass wir nach kurzem Versuch gleich resignieren würden!

Wenn wir aber dort, wo uns gerade im Hier und Jetzt etwas von dieser unser inneren Dunkelheit konkret begegnet - mit aller uns zur Verfügung stehenden Kraft Gottes den Kampf aufnehmen - dann wäre es merkwürdig, wenn uns nicht dazu auch "der Finger Gottes" helfen würde - und es wäre noch merkwürdiger, wenn nicht dadurch auch in uns das scheinbar so geschlossene Gefüge der Dunkelheiten durcheinander käme - Und damit einen großen Teil seiner "teuflischen" Macht verlöre. Es ist entscheidend wichtig, dort, wo es unsere Aufgabe ist, wirklich in dieses "Reich" einzubrechen - weil sich jedes einzelnen Tun weit über das eigene Leben hinaus auswirkt auf den transzendenten Kampf, der sich zwischen den "guten" und den "bösen Geistern" - wie unsere Väter sagten - abspielt - und uns alle mehr tangiert, als wir es weithin ahnen.

c. Dieser Kampf hat verschiedenen Gesichter.
Nicht mit Waffengewalt ist dieser Kampf zu führen - das steht bereits im Epheserbrief. Wir sprachen schon von der wichtigen Möglichkeit, die Dunkelheiten zum Sprechen zu bringen. Oft reicht es auch einfach, eine dunkle Stelle, die ich bisher nicht wahrhaben wollte, anzuschauen - und sie in die Hände zu nehmen und Gott hinzuhalten. So wie ein Kind ein kaputtes Spielzeug vielleicht der Mutter einfach hinhält. Aber es kann auch sein, dass in einer bestimmten Situation von mir eine klare Entscheidung gefordert wird - dass es um ein eindeutiges "Ja" oder "Nein" geht. Oft muss ich lange Geduld haben, bis sich die Entscheidung klar abzeichnet und die Zeit dafür reif ist. Oft kommt es aber auch auf ein blitzschnelles Reagieren an, welches aus meiner innersten Mitte kommt. - wenn sie dafür geöffnet ist. "Die Menschen sollten nicht soviel nachdenken, was sie täten, sondern was sie wären", sagt Meister Eckehart 4 .

Dazu ist es nötig, - wir kommen auf den Anfang zurück - , etwas zu wissen von den alten, und noch immer aktuellen Regeln der "Unterscheidung der Geister". Eine alte Faustregel lautet: Beobachte die Wirkung deiner Gedanken und Handlungen: alles, was dich zu größerem Glauben, zu mehr Hoffnung und zu tieferer Liebe führt, das darfst du erst einmal getrost als von Gott gegeben annehmen. Dagegen solltest du sehr misstrauisch sein gegenüber allem, was dich in Verwirrung und Unruhe stürzt: Da ich meistens die Kraft dessen im Spiel, den schon das Alte Testament den "diabolos", den "Durcheinanderwerfer" nannte.

5. Wie gehen wir heute mit dem Bild des Kampfes und Krieges überhaupt um?

Gewiss hat sich diese Frage beim Lesen schon manches Mal gemeldet. "Wir haben nicht mit Fleisch oder Blut zu kämpfen" 5, sagt der Epheserbrief - deshalb sind auch die "Waffen" dieses Kampfes nicht "Feuer und Schwert". Unter dem Motto "Keine Gewalt" bahnte sich eine der entschiedensten Umwälzungen unserer Zeit an. Wie eine Vision war es damals für uns in Leipzig, dass vielleicht eine Zeit anbrechen könnte, in der die Menschen anders als mit Waffengewalt ihre Probleme lösen könnten. Um so größer und tiefer waren die folgenden schweren Enttäuschungen. Ich nenne nur die Stichworte "Irak" und "Jugoslawien"! Sind sie ein Gegenbeweis gegen diese Vision, die Hunderttausende erfasst hatte, - war alles nur Täuschung gewesen?

Ich glaube es nicht. Solche Träume und Visionen sind vielleicht wahrer als viele realen Fakten unseres Lebens. Aber vielleicht dürfen wir einmal darüber nachdenken, ob es nicht so sein könnte, dass die Menschheit gerade deshalb immer wieder in äußere Gewalt ausweicht, weil sie noch nicht bereit ist, diesen inneren Kampf, von dem wir sprachen, aufzunehmen und ihn mit allen Härten, mit allen Niederlagen, aber auch mit allen kleinen Siegen zu kämpfen. Der Krieg ist ein archetypisches Bild, - das heißt, wir wissen alle in einer ganz tiefen, verborgenen Schicht unseres Wesens, dass ein bestimmtes Maß an Kampf und Ringen zu unserem menschlichen Dasein gehört. Und solange wir uns dem Ringen mit unseren inneren Dunkelheiten verweigern - solange werden wir Menschen die Feinde nach außen projizieren und dort bekämpfen - die Feinde, die doch in uns sind, und nur dort so besiegt werden können, so dass mehr und mehr das gesamte Reich des Dunklen und Bösen in sich zusammenfällt. Auch eine Vision? Vielleicht - aber ohne solche Visionen wäre die Zukunft der Menschheit ernsthaft gefährdet. Die Verwandlung und Neuwerdung dieser unserer Welt wird nur geschehen, wenn sie in uns selbst beginnt.


Anmerkungen:
1 Zuerst veröffentlicht in „Meditation“ 1992 Heft 3 (Christianopolis-Verlag, Weilheim 1992)

2 vgl. dazu Johne, Geistlicher Übungsweg im Alltag, Styria 1989 2

3 vgl. Grün, Anselm OSB, Der Umgang mit dem Bösen, Münsterschwarzach 1979

4 Meister Eckehart, Deutsche Predigten und Traktate, Diogenes-Taschenbuch Nr. 202, S.57

5 Eph 6,12


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